
Vier Spiele, vier Siege, Tabellenführer – auf dem Papier läuft beim FSV Trier-Tarforst alles nach Plan. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Die Euphorie auf der Trierer Höhe ist nicht ungetrübt. Zwar steht man mit der Maximalausbeute von 12 Punkten an der Spitze der Bezirksliga West, doch der Weg dorthin war keineswegs durchweg souverän. Vor dem Heimspiel am Freitagabend (20:00 Uhr, Rasenplatz Tarforst) gegen Aufsteiger SG Wiesbaum wird deutlich: Der FSV steht vor einer Pflichtaufgabe, die bei mangelnder Ernsthaftigkeit schnell zur Stolperfalle werden könnte. LIVE-TICKER
Die Bilanz des FSV ist makellos – die Spielweise bislang jedoch nicht. In allen vier bisherigen Saisonspielen zeigte sich ein wiederkehrendes Muster: eine dominante Anfangsphase, eine druckvolle Schlussphase – und dazwischen immer wieder Leistungslücken. Gegen formstarke Gegner könnte ein solcher Verlauf gefährlich werden – und Wiesbaum zählt aktuell durchaus zu dieser Kategorie.
Insbesondere das zurückliegende Spiel des Gegners gegen Salmrohr offenbarte diese Gefahr deutlich: ein knapper 2:1-Sieg für den ehemaligen Zweitligisten, der erst spät sichergestellt wurde und der vor allem davon lebte, dass Salmrohr selbst seine Chancen nicht konsequent nutzte. Auch wenn Tarforst aktuell viel mit Selbstvertrauen kompensiert – ein stabiles Leistungsfundament über 90 Minuten ist noch nicht erkennbar.
Dass man als Aufsteiger eine gewisse Euphorie mitbringt, ist nichts Neues – doch was die SG Wiesbaum bislang zeigt, geht darüber hinaus. Die Mannschaft von Trainer Alexander Volk und Marco Michels hat bereits sieben Punkte geholt, darunter einen überzeugenden 2:0-Erfolg gegen den Rheinlandliga-Absteiger aus Schweich. Ein Ergebnis, das in der Liga für Aufmerksamkeit sorgte – und das Tarforst zur Vorsicht mahnen muss.
Wiesbaum spielt mutig, körperlich präsent und taktisch diszipliniert. Die Mannschaft agiert defensiv kompakt, verdichtet die Räume effektiv und schaltet bei Ballgewinn schnell und zielstrebig um. Das Konterspiel wirkt gut abgestimmt, besonders über die Außenbahnen entwickelt das Team immer wieder Druck. Wer Wiesbaum unterschätzt, wird bestraft – Schweich kann davon berichten.
Mit sieben Punkten aus vier Spielen steht Wiesbaum aktuell auf Rang sechs – und ist damit nicht nur „gut gestartet“, sondern hat bereits echte Duftmarken gesetzt. Für Tarforst ist klar: Hier kommt kein klassischer Neuling, sondern ein Gegner, der die Bezirksliga ernsthaft bereichern kann.
Auf dem Trierer Berg muss man am Freitag auf vier Spieler verzichten: Elias Heitkötter, Neil Müller-Adams und Moritz Hannappel fallen verletzt aus, dazu fehlt weiterhin Lewin Raithel aufgrund eines USA-Stipendiums. Doch der Kader der Trierer Höhenkicker ist in der Breite gut aufgestellt – sodass man auch am Freitagabend eine starke Elf auftischen kann. Tarforst muss aber nicht nur physisch, sondern auch mental voll da sein, um gegen Wiesbaum letztendlich zu bestehen.
Natürlich bleibt der einstige Rheinlandliga-Dino der klare Favorit – allein aufgrund der individuellen Qualität, der Erfahrung und des Heimvorteils. Doch die Begegnung gegen Wiesbaum ist weit davon entfernt, ein Selbstläufer zu sein. Die Gäste kommen mit breiter Brust, ohne großen Druck – und genau das macht sie gefährlich. Wiesbaum hat nichts zu verlieren, Tarforst hingegen jede Menge.
Die Hausherren müssen sich steigern – sowohl in der Spielkontrolle als auch in der Konsequenz im letzten Drittel. Ein früher Führungstreffer wäre hilfreich, um den Gegner zu zwingen, seine Kompaktheit zu lockern. Doch sollte Wiesbaum länger im Spiel bleiben und seine Umschaltmomente bekommen, könnte das Spiel eine Wendung nehmen, die aus Sicht des FSV unangenehm wäre.
Der Anspruch des Rheinlandliga-Absteigers ist klar: die Tabellenführung verteidigen, den nächsten Dreier einfahren und ein weiteres Ausrufezeichen im Titelrennen setzen. Doch dafür braucht es eine reife, konzentrierte und geschlossene Mannschaftsleistung – und das nicht nur in den ersten und letzten 15 Minuten. Wiesbaum bringt alle Zutaten mit, um ein unangenehmer Gegner zu sein: Mut, Organisation, Tempo. Wenn Tarforst seine Leistungslücken nicht in den Griff bekommt, könnte die Begegnung mehr Spannung bieten, als es dem Favoriten lieb ist. AM





















