
Das Pokalaus ist abgehakt, die Wunden sind geleckt, das Pflaster sitzt – jetzt geht der Blick wieder dahin, wo es wirklich zählt: in die Bezirksliga, wo der FSV Trier-Tarforst nach wie vor ungeschlagen seine Bahnen zieht. Zwar gab’s am Mittwoch die erste – und schmerzlich erinnerungswürdige – Saisonniederlage im Rheinlandpokal, aber wer braucht schon Pokalromantik, wenn man in der Liga glänzen kann wie frisch poliertes Schuhwerk?
Mit 25 Punkten im Handgepäck rollt der Tarforster Liga-Express nun ins beschauliche Ruwertal, genauer gesagt nach Kasel – wo am Sonntag um 14:45 Uhr der nächste Dreier eingesammelt werden soll. So jedenfalls der Plan. Ob sich die SG Ruwertal da einfach so überrollen lässt, darf allerdings getrost bezweifelt werden.
Denn auch wenn der Gegner bislang keinen Sahneverlauf der Saison erlebt hat – mit immerhin 15 Punkten und einem soliden sechsten Tabellenplatz ist das Team alles andere als Fallobst. Zudem genießt Ruwertal den Ruf, zuhause nicht nur die Punkte zu verteidigen, sondern auch gerne mal Favoriten zu ärgern – und das nicht auf die nette Tour. Cheftrainer Patrick Zöllner bringt es auf den Punkt:
„Die SG Ruwertal gehört seit Jahren zu den Top-Teams der Bezirksliga und hat bereits mehrfach an der Tür zur Rheinlandliga geklopft. Gerade zuhause werden sie alles daransetzen, uns das Leben schwer zu machen – wie es eigentlich jede Mannschaft gegen uns versucht. Wir stellen uns daher auf eine sehr anspruchsvolle Aufgabe ein, gegen einen heimstarken und äußerst quirligen Gegner.“
Zöllner kann fast aus dem Vollen schöpfen – nur Neil Müller-Adams, Christoph Nickl und Nicola Rigoni müssen weiterhin verletzungsbedingt passen. Doch der Rest der Truppe ist bereit, mit breiter Brust und geballter Faust den Auswärtskampf anzunehmen.
Auch die Historie spricht nicht unbedingt für Tarforst – sofern man von Historie sprechen kann, wenn sich die beiden Teams genau einmal in einem Pflichtspiel begegnet sind. 2018 im Rheinlandpokal setzte sich Ruwertal verdient mit 2:0 durch – eine kleine, aber feine Erinnerung daran, dass der Fußballgott gelegentlich auch dem Außenseiter einen guten Tag schenkt.
Und genau darum ist die Favoritenrolle am Sonntag zwar offiziell Tarforster Besitz – aber sie liegt schwer in der Tasche. Denn wer in Kasel Punkte mitnehmen will, sollte nicht nur saubere Stutzen, sondern auch dreckige Mentalität dabei haben. Es wird kein Schönspielertreffen auf dem Weingut – es wird Arbeit. Und zwar die ehrliche Sorte, bei der am Ende die Glücklichen auch mal blaue Flecken mit nach Hause nehmen.
Die Höhenkicker aus Trier wollen in jedem Fall den nächsten Schritt Richtung Herbstmeisterschaft gehen – mit Respekt, aber ohne Angst. Denn auch wenn das Ruwertal eng, ungemütlich und gelegentlich tückisch ist: Der Tabellenführer hat nicht vor, sich dort den Steigbügel halten zu lassen. AM






















