
Die Rollen sind verteilt wie im Märchenbuch – nur dass dieses Kapitel der Bezirksliga aller Voraussicht nach kein Happy End für den Außenseiter bereithält. Wenn am kommenden Samstagabend um 18:00 Uhr das Schlusslicht SG Geisfeld beim souveränen Tabellenführer FSV Trier-Tarforst gastiert, treffen zwei Welten aufeinander, die im bisherigen Saisonverlauf ungefähr so viel gemein hatten wie ein Oldtimer mit einem Formel-1-Wagen.
Gerade einmal zwei Punkte zieren das bisher triste Konto der Geisfelder, die weiterhin sehnsüchtig auf den ersten Sieg warten – eine Saison, die bislang eher nach griechischer Tragödie als nach Fußballmärchen klingt. Demgegenüber steht ein Tarforster Team, das nicht nur ungeschlagen, sondern auch mit breiter Brust durch die Liga pflügt und derzeit den Platz an der Sonne mit 25 Zählern genießt. Doch trotz aller Klarheit auf dem Papier – gespielt wird bekanntlich auf dem Rasen. Und der hat seine eigenen Gesetze – zumindest hoffen das die Gäste aus dem Hunsrück.
Aus dem Lager der SG Geisfeld ist indes nicht viel zu vernehmen – vermutlich auch deshalb, weil man bereits an der idealen Formation des „Park-the-Bus“-Systems tüftelt. Eine Fünfer- oder gleich Sechserkette, tiefstehend, leidenschaftlich verteidigend und mit dem frommen Wunsch, dass vorne vielleicht ein glücklicher Konter die Sensation bringen könnte – das dürfte der Blaupause für Samstagabend recht nahekommen. Ironie und Satire zugleich: Selbst für ein 0:0 bräuchte man derzeit schon einen echten Sahnetag.
Cheftrainer Patrick Zöllner bleibt dennoch vorsichtig – zumindest äußerlich. „Wenn Erster gegen Letzter spielt, sind die Rollen natürlich klar verteilt. Dieser Favoritenrolle wollen wir in allen Punkten gerecht werden und den nächsten Dreier einfahren – und das mit einer hochkonzentrierten Leistung“, gibt sich der Coach professionell und fokussiert. Auch wenn Tarforst derzeit durch die Liga marschiert wie ein ICE durch den Regionalverkehr, weiß Zöllner: Hochmut kommt vor dem Punktverlust.
Leicht wird’s nicht – zumindest personell. Gleich sechs Spieler muss der Primus ersetzen: Leo Reh, Christoph Nickl, Neil Müller-Adams, Nicola Rigoni, Matthias Finsterwalder sowie Johannes München fallen entweder verletzungsbedingt oder aus privaten Gründen aus. Doch selbst mit einem halben Dutzend Ausfällen steht dem FSV ein breiter und qualitativ starker Kader zur Verfügung.
Ein Blick in die Geschichtsbücher hilft in diesem Fall kaum weiter – immerhin datieren die bisherigen vier Pflichtspiel-Duelle aus grauer Vorzeit zu Kreisliga-Tagen. Zwei Siege für Tarforst, zwei Remis. Alles längst Geschichte – genau wie der Gedanke, dass Geisfeld an jenem Samstagabend auf der Trierer Höhe wirklich auf Augenhöhe agieren könnte.
Für Geisfeld geht es in erster Linie darum, sich anständig aus der Affäre zu ziehen. Vielleicht kann man den Favoriten ärgern, vielleicht das Spiel lange offenhalten – es sind zarte Träume, die man auf der Fahrt nach Tarforst gedanklich mit sich führt.
Tarforst hingegen verfolgt ein klares Ziel: den nächsten Sieg, die Tabellenführung ausbauen und möglichst keine Fragen offenlassen. Am besten souverän, vielleicht sogar mit einem kleinen Statement für den Rest der Liga – à la „Hier kommt keiner ungeschoren davon“.
So oder so: Am Samstagabend trifft Realität auf Hoffnung, Struktur auf Improvisation, Goliath auf einen David, dem leider bisher die Schleuder fehlt. AM






















