
Wenn beim FSV Trier-Tarforst derzeit der Ball Richtung eigenes Tor fliegt, liegt in der Luft meist weniger Gefahr als vielmehr eine gewisse Gelassenheit. Der Grund dafür steht zwischen den Pfosten – und ragt deutlich darüber hinaus: Felix Kloy. Über zwei Meter groß, 31 Jahre alt, mit einem Blick, der schon so manchen Stürmer vor dem Abschluss ins Grübeln gebracht hat, und einer Bilanz, die sich mehr als sehen lassen kann.
Erst 11 Gegentore hat Kloy in dieser Saison kassiert – eine Zahl, die nicht nur für Statistiker, sondern auch für Gegner schwer zu verdauen ist. Dass der FSV als ungeschlagener Tabellenführer dasteht, ist eng mit dieser defensiven Stabilität verknüpft. Doch wie fühlt sich eine solche Saison eigentlich aus Sicht des Torhüters an? Ist da vor allem Zufriedenheit – oder doch der kritische Blick auf jedes einzelne Gegentor, jede kleine Unsauberkeit im eigenen Spiel? „Die Hinrunde lief natürlich sehr gut. Nur einmal nicht gewonnen und elf Gegentore sprechen für sich. Da kann man schon von einer sehr gelungen 1. Hälfte sprechen. Aber jedes Gegentor nervt mich persönlich. Wir versuchen das im Torwartteam gemeinsam zu analysieren und möglich Verbesserungen ausfindig zu machen. Da bin ich schon sehr kritisch im Umgang mit mir selbst“, betont der FSV-Hüne selbstkritisch.
Makellos ist die Bilanz zwar nicht im mathematischen Sinne, aber im sportlichen Empfinden ganz sicher beeindruckend.
Felix Kloy ist kein unbeschriebenes Blatt. Seine fußballerische Laufbahn führte ihn bereits durch die Bezirksliga und sogar bis in die Oberliga – ein Beweis dafür, dass er weiß, wie sich höherklassiger Fußball anfühlt. Und doch gibt es da noch diese eine Liga, die ihm bislang verwehrt blieb: die Rheinlandliga.
Ausgerechnet jetzt, mit 31 Jahren, scheint der Moment gekommen zu sein, diese persönliche Lücke zu schließen. Der direkte Wiederaufstieg mit dem FSV Trier-Tarforst ist klar das Ziel – und Kloy einer der Hauptgründe, warum dieses Ziel mehr als realistisch erscheint. Für ihn selbst wäre die Rheinlandliga völliges Neuland, was seiner Motivation jedoch eher Flügel verleiht, als sie zu bremsen. Welche Bedeutung ein möglicher Aufstieg für ihn persönlich hätte – ob eher nüchterner sportlicher Erfolg oder ein ganz besonderer Moment nach all den Jahren – lässt sich dabei nur erahnen. „Natürliches ist es ein sportliches Ziel, aber ich wäre ehrlich gesagt auch persönlich stolz drauf. Die Rheinlandliga noch zu spielen und das mit Tarforst zu erreichen, hätte auch einen besonderen Wert für mich“, fügt der Keeper hinzu.

Was Kloy auszeichnet, ist nicht nur seine schiere Größe. Es ist sein Auftreten. Sein Blick. Seine Ausstrahlung. Wenn er im Strafraum steht, wirkt alles kontrolliert, ruhig, fast stoisch. Kein unnötiges Theater, keine wilden Gesten – sondern Konzentration, klare Kommandos und im richtigen Moment eine Hand (oder gleich beide), wo andere Torhüter nur noch hinterherschauen. Nicht selten scheint es, als würde ein Stürmer schon vor dem Abschluss zögern – vielleicht aus Respekt, vielleicht aus Unsicherheit. Ob Kloy solche Momente bewusst wahrnimmt oder komplett ausblendet, gehört zu den kleinen psychologischen Feinheiten seines Spiels. „Ich versuche immer auf dem Platz körperlich Präsenz zu zeigen. Es gibt bestimmt Situationen in denen ein Stürmer vielleicht einen Moment länger überlegt wohin er schießen möchte, als bei einem kleineren Torhüter, aber im Spiel selbst blende ich sowas aus. Da konzentriere ich mich nur auf den Moment und versuche einfach meinen Job zu erledigen“, lässt der 31-Jährige durchblicken.
Manchmal hat man das Gefühl, der Ball überlege es sich zweimal, bevor er auf Kloys Tor zufliegt. Und falls nicht, ist da ja immer noch dieser Zwei-Meter-Mann, der den Weg zuverlässig versperrt.
Die Wintervorbereitung markiert nun die heiße Phase der Saison. Wochen, in denen sich entscheidet, ob aus einer starken Hinrunde auch ein erfolgreicher Abschluss wird. Wie diese Zeit bislang verlaufen ist – ob geprägt von harter körperlicher Arbeit oder auch bewussten Momenten zum Durchatmen – spielt dabei ebenso eine Rolle wie der persönliche Fokus jedes Einzelnen. „Die Vorbereitung verläuft, trotz der vielen Verletzten die wir zu beklagen haben, durchweg positiv. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist gut. Jeder möchte beim Rückrundenauftakt spielen und das merkt man auch in den Einheiten. Die Intensität ist bei jedem Training zu spüren. Für uns Torhüter lag der Fokus auf Fitness und Konstanz, aber wir gehen auch in die Analyse verschiedener Spiel- und Trainingssituationen“, gibt Kloy weiter Einblick.
Bei aller Stärke und Dominanz bleibt Felix Kloy dabei angenehm bodenständig. Einer, der weiß, dass Fußball ein Mannschaftssport ist – und dass auch die beste Abwehr mal einen starken Torhüter braucht. Oder umgekehrt. Der Humor kommt dabei nicht zu kurz: Wer so groß ist, darf sich auch erlauben, über sich selbst zu schmunzeln. Schließlich passt nicht jeder Torwart problemlos durch jede Kabinentür.
Mit Blick auf die verbleibenden Spiele richtet sich der Fokus aber klar nach vorne. Der direkte Wiederaufstieg ist greifbar, aber kein Selbstläufer. Was es in den kommenden Wochen braucht – sowohl von ihm selbst als auch vom gesamten Team –, damit am Ende tatsächlich gemeinsam gefeiert werden kann, ist eine Frage von Haltung, Konzentration und Zusammenhalt. „Wir brauchen den gleichen Hunger wie bisher. Wenn jeder seine Rolle annimmt und wir die Hinrunde so nochmal bestätigen können, bin ich mir sicher werden wir am Saisonende was zu feiern haben. Persönlich würde ich mich freuen, wenn wir es schaffen, die Saison ungeschlagen und unter zwanzig Gegentore zu beenden“, schließt der Riese zwischen den Tarforster Pfosten ab.
Felix Kloy ist für den FSV Trier-Tarforst weit mehr als nur ein sicherer Rückhalt. Er ist Führungsspieler, Ruhepol und Hoffnungsträger in einem. Mit seiner Erfahrung, seiner Präsenz und seiner beeindruckenden Bilanz ist er ein zentraler Baustein im Aufstiegsrennen.
Und vielleicht – nein, ziemlich sicher – steht am Ende dieser Saison nicht nur der direkte Wiederaufstieg, sondern auch ein persönliches Kapitel, das Kloy endlich aufschlagen darf: Rheinlandliga, Seite eins.
André Mergener






















