
Der Pflichtspielauftakt ist geglückt. Der FSV Trier-Tarforst steht in der zweiten Runde des Rheinlandpokals. Mit einem souveränen 7:0-Erfolg beim vier Klassen tiefer spielenden C-Ligisten TuS Issel erfüllte der Rheinlandligist am späten Donnerstagabend seine Pflichtaufgabe ohne größere Schwierigkeiten. Das Ergebnis fiel deutlich aus, die Leistung bot jedoch nicht nur Anlass zur Zufriedenheit. Denn trotz der sieben Treffer sah Cheftrainer Moritz Hannappel noch reichlich Verbesserungspotenzial.
Schon mit dem Anpfiff wurde deutlich, welche Mannschaft den Ton angeben würde. Die Trierer Höhenkicker übernahmen sofort die Kontrolle, ließen den Ball sicher durch die eigenen Reihen laufen und drängten den Gastgeber tief in die eigene Hälfte. Issel konzentrierte sich fast ausschließlich auf die Defensivarbeit, verschob diszipliniert und machte die Räume eng. Sehr eng. Das Spiel lief nahezu ausschließlich in Richtung des Isseler Tores.
Die erste Belohnung ließ dennoch nicht lange auf sich warten. In der sechsten Minute segelte eine Ecke in den Strafraum. Niklas Gouverneur stieg am höchsten und köpfte den Ball wuchtig zum 1:0 ins Netz. Ein Auftakt nach Maß, der eigentlich die Tür zu einem torreichen Abend öffnen sollte.
Doch genau dort begann das einzige Manko im Spiel der Tarforster. Die Elf von der Trierer Höhe kombinierte gefällig, erspielte sich eine Vielzahl an Möglichkeiten und ließ Ball und Gegner laufen. Im letzten Drittel fehlte jedoch häufig die Klarheit. Zu oft wurde noch einmal gedribbelt, noch ein Pass gesucht oder der kompliziertere Weg gewählt. Die Dominanz war unübersehbar – die Konsequenz im Abschluss dagegen ausbaufähig.
Issel verteidigte mit großem Einsatz, warf sich in jeden Zweikampf und machte dem Favoriten das Leben trotz des deutlichen Klassenunterschieds erstaunlich schwer. Erst nach gut einer halben Stunde platzte der Knoten endgültig.
Kapitän Benjamin Arnold nahm sich aus rund 25 Metern ein Herz. Sein Distanzschuss prallte zunächst an den Innenpfosten und sprang von dort ins Netz – das verdiente 2:0. Der Treffer brachte sichtbar mehr Ruhe ins Tarforster Spiel. Kurz vor dem Halbzeitpfiff legte der Spielführer nach. Wieder fasste er sich aus der Distanz ein Herz. Wieder landete der Ball im Netz. Mit einer beruhigenden 3:0-Führung ging es in die Kabinen.
Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich am Spielverlauf nichts. Der Rheinlandligist kontrollierte Ball und Gegner, bestimmte das Tempo und ließ defensiv überhaupt nichts zu. Gleichzeitig blieb die Chancenverwertung der einzige Kritikpunkt. Der Wille war erkennbar, die Möglichkeiten waren vorhanden – doch vor dem Tor fehlte weiterhin die letzte Konsequenz.
Nach einer Stunde sorgte Leon Schmid schließlich mit einem kraftvollen Abschluss für das 4:0. Issel gab sich dennoch nicht auf. Der C-Ligist kämpfte bis zum Schlusspfiff um jeden Meter, verteidigte leidenschaftlich und verdiente sich den Respekt für seinen Einsatz.
Zwanzig Minuten vor dem Ende erhöhte Dustin Knürr nach einer präzisen Flanke von Elias Heitkötter auf 5:0. In der Schlussphase wurde das Ergebnis schließlich noch deutlicher. Benedikt Decker traf nach einer Hereingabe von Knürr zum 6:0, ehe in der Nachspielzeit ein Eckball den Schlusspunkt setzte. Nach einem Eigentor der Gastgeber – bei dem Niklas Gouverneur ebenfalls noch leicht am Ball gewesen sein könnte – stand der 7:0-Endstand fest.
Das Ergebnis fiel deutlich aus. Deutlicher, als es der Spielverlauf über weite Strecken vermuten ließ. Denn trotz klarer Überlegenheit musste sich der FSV seine Treffer gegen einen tiefstehenden und aufopferungsvoll kämpfenden Gegner immer wieder erarbeiten.
Genau diesen Eindruck teilte auch Cheftrainer Moritz Hannappel nach dem Schlusspfiff. Mit dem Ergebnis konnte er leben, mit der Leistung nur teilweise.
„Der Gegner hat genau das umgesetzt, was sein Trainer vor dem Spiel von ihm verlangt hat. Meine Mannschaft hingegen hat über weite Strecken nicht das gemacht, was ich ihr vor dem Spiel mit auf den Weg gegeben hatte. Dadurch war unser Spiel phasenweise zu behäbig“, analysierte der Tarforster Coach. Zwar müsse man ein 7:0 erst einmal erzielen, dennoch sei er überzeugt, „dass bei einer anderen Einstellung und einer konsequenteren Spielweise noch mehr möglich gewesen wäre“.
Immerhin seien die beiden wichtigsten Ziele erreicht worden. „Unser Ziel war es, die zweite Runde zu erreichen, und das haben wir geschafft. Zudem war es mir wichtig, dass wir kein Gegentor kassieren – auch das ist uns gelungen.“ Gleichzeitig machte Hannappel deutlich, woran seine Mannschaft in den kommenden Wochen arbeiten müsse. Gegen tiefstehende Gegner fordert er künftig mehr Tempo, mehr Entschlossenheit und mehr Klarheit im letzten Drittel. Gerade gegen Mannschaften, die sich weit zurückziehen, müsse der Rheinlandligist seine spielerische Qualität konsequenter ausspielen. Ein Lob fand der Tarforster Trainer dennoch für den Gastgeber: Angesichts des Klassenunterschieds habe Issel seine Aufgabe sehr ordentlich gelöst. Seine Hoffnung sei nun, dass seine Mannschaft aus diesem deutlichen Sieg vor allem die richtigen Lehren ziehe. Denn trotz des klaren Ergebnisses, so Hannappel, sei „noch sehr viel Luft nach oben“.
So bleibt unter dem Strich ein souveräner Pflichtspielsieg, der den Einzug in die zweite Runde des Rheinlandpokals sichert und das Selbstvertrauen zum Saisonstart stärkt. Gleichzeitig liefert der Pokalabend wichtige Erkenntnisse. Der FSV dominierte über 90 Minuten, ließ defensiv nichts zu und erzielte sieben Tore. Gleichzeitig offenbarte die Partie aber auch jene Stellschrauben, an denen in den kommenden Tagen gearbeitet werden muss.
Viel Zeit bleibt dafür nicht. Bereits am Sonntag in einer Woche beginnt für die Elf von der Trierer Höhe der Ligaalltag. Um 15 Uhr gastiert der FSV Trier-Tarforst zum Auftakt der Rheinlandliga beim VfB Linz. Dort wird sich zeigen, wie schnell die Erkenntnisse aus dem Pokalspiel in Issel auf dem Platz umgesetzt werden. AM






















