
Es war kein Spaziergang, kein glanzvoller Pokalabend und schon gar keine Partie, die der Favorit aus dem Trierer Höhenstadtteil einfach im Vorbeigehen erledigte. Am Ende war es vielmehr ein Abend, der ziemlich genau das lieferte, was der Rheinlandpokal so gerne verspricht: Kampf, Leidenschaft, Dynamik – und eine gehörige Portion Spannung. Der FSV Trier-Tarforst setzte sich am späten Mittwochabend in der zweiten Runde beim klassentieferen Bezirksligisten DJK St. Matthias Trier mit 2:1 durch und löste damit das Ticket für die dritte Runde. Verdient? Ja. Souverän? Eher nicht. Denn insbesondere in der Schlussphase mussten die Trierer Höhenkicker noch einmal ordentlich zittern.
Dabei begann der Abend aus Sicht des Rheinlandligisten durchaus nach Plan. Tarforst übernahm früh die Initiative, bewegte den Ball gefällig und suchte den Weg nach vorne. Bereits in der achten Minute zahlte sich der erste wirklich gute Angriff aus. Ausgangspunkt war Dustin Knürr, der die Offensive ins Rollen brachte. Über mehrere Stationen landete der Ball schließlich bei Leon Schmid – und der Offensivmann ließ sich nicht zweimal bitten. Schmid vollendete zum frühen 1:0 für den Favoriten. Ein Auftakt nach Maß. Doch wer nun glaubte, die Hausherren würden sich von diesem Rückschlag beeindrucken lassen, hatte die Rechnung ohne die Südstädter gemacht.
St. Matthias kämpfte um jeden Meter. Der Underdog machte die Räume eng, warf sich in die Zweikämpfe und stellte den FSV immer wieder vor die unangenehme Aufgabe, Lösungen gegen eine tief und leidenschaftlich verteidigende Mannschaft zu finden. Vor dem Tor tat sich der Favorit deshalb schwerer als vielleicht erwartet. Tarforst hatte zwar mehr Ballbesitz und die spielerischen Vorteile auf seiner Seite, doch die ganz großen Möglichkeiten blieben zunächst überschaubar. Die DJK hingegen lauerte auf Umschaltmomente – und hätte beinahe einen solchen eiskalt genutzt. In der 17. Minute rollte nach einem Konter plötzlich ein Angriff der Gastgeber auf das Tarforster Tor zu. Die Hausherren hatten sogar eine Überzahlsituation, doch FSV-Keeper Felix Kloy blieb cool, machte sich breit und verhinderte mit einer starken Reaktion den möglichen Ausgleich. Eine Szene mit Signalwirkung: Die DJK war keineswegs gewillt, die Rolle des Pokalstatisten zu übernehmen.
Tarforst blieb dennoch geduldig. Und diese Geduld wurde in der 30. Minute belohnt. Wieder war Leon Schmid maßgeblich beteiligt. Der Offensivmann legte Florian Weirich den Ball mustergültig auf – und Weirich vollstreckte zum 2:0. Zwei Treffer, zwei Akteure, viel Effizienz. Der Rheinlandligist hatte damit scheinbar alles unter Kontrolle. Doch Pokalspiele haben bekanntlich ihre eigenen Gesetze – und manchmal auch ihre eigene Dramaturgie.
Mit einer 2:0-Führung ging es in die Kabinen. Eigentlich eine komfortable Ausgangslage. Eigentlich. Denn der zweite Durchgang sollte zeigen, dass an diesem Abend noch längst nichts entschieden war.
Kaum waren die Seiten gewechselt, schlug St. Matthias zurück. In der 48. Minute kombinierten sich die Hausherren schnell und zielstrebig durch die Tarforster Defensive. Ein direkter Angriff, gute Laufwege, ein sauberer Abschluss – und plötzlich stand es nur noch 1:2. Der Anschlusstreffer gab dem Bezirksligisten genau das, was er für die verbleibenden gut 40 Minuten benötigte: Hoffnung. Gleichzeitig offenbarte der Gegentreffer Schwächen beim Favoriten. Tarforst wirkte in dieser Szene nicht sattelfest und musste nun erleben, wie aus einem vermeintlich kontrollierten Pokalabend ein offenes Spiel wurde.
Der FSV antwortete mit Offensivaktionen. In der 53. Minute bot sich Florian Weirich die Gelegenheit, den alten Abstand wiederherzustellen. Doch der DJK-Schlussmann war zur Stelle und hielt seine Mannschaft im Spiel. Es blieb beim 2:1 – und damit bei jener knappen Führung, die im Pokal ungefähr so beruhigend ist wie ein Regenschirm bei einem Sturm.
Tarforst versuchte, wieder mehr Kontrolle zu bekommen. In der 71. Minute fehlte nicht viel zum dritten Treffer. Nach einem tollen Zuspiel von Leon Weinmeister kam Benedikt Decker zum Kopfball, setzte das Leder jedoch knapp neben das Tor. Eine Möglichkeit, die dem FSV eigentlich Luft verschaffen sollte. Stattdessen blieb St. Matthias auf Tuchfühlung.
Und je näher die Uhr dem Schlusspfiff kam, desto unangenehmer wurde die Angelegenheit für die Gäste. In der 75. Minute drückten die Hausherren vehement auf den Ausgleich. Die DJK kombinierte mutig, warf immer mehr Spieler nach vorne und brachte die Tarforster Defensive gehörig ins Schwitzen. In höchster Not mussten Felix Kloy und Arnold retten. Der FSV bekam nun deutlich zu spüren, dass dieser Abend kein Wunschkonzert werden würde.
Die Südstädter witterten ihre Chance. In der 80. Minute stand Tarforst mächtig unter Druck. Jeder gewonnene Zweikampf wurde auf Seiten der Gastgeber gefeiert, jeder Ballgewinn trieb die Stimmung weiter nach oben. Die Kulisse tat ihr Übriges. Das Pokalspiel entwickelte jene ganz eigene Dynamik, die Cheftrainer Moritz Hannappel später ansprach. Der Favorit wollte verwalten, der Underdog wollte Geschichte schreiben. Und plötzlich war es St. Matthias, das mit voller Überzeugung nach vorne marschierte.
Tarforst verteidigte, kämpfte und hielt dagegen. Schön war das nicht immer. Aber effektiv. Die Sekunden wurden länger, die Wege zum eigenen Tor kürzer und der Schlusspfiff zunehmend zur Sehnsucht des Rheinlandligisten. St. Matthias gab sich bis zum letzten Meter nicht geschlagen. Ein Ausgleich wäre angesichts der starken Schlussphase der Hausherren durchaus verdient gewesen. Doch am Ende blieb es beim 2:1 für den FSV.
Damit steht Tarforst in der dritten Rheinlandpokalrunde. Der Favorit hat seine Pflicht erfüllt – wenn auch mit deutlich mehr Nervenkitzel als vermutlich geplant. Zwei Treffer reichten, weil der Gegner seine Chancen nicht konsequent genug nutzte und der FSV in den entscheidenden Momenten die nötige Ruhe bewahrte. Gleichzeitig zeigte die Partie aber auch, dass vermeintliche Klassenunterschiede im Pokal gerne einmal auf dem Papier bleiben. Der Bezirksligist machte aus dem Abend einen echten Pokalfight und brachte den Rheinlandligisten gehörig ins Schwitzen.
Cheftrainer Moritz Hannappel zog anschließend ein insgesamt positives Fazit, verschwieg aber auch die kleinen Schönheitsfehler nicht: „Ich bin mit der Leistung der Jungs grundsätzlich zufrieden. Klar, am Ende haben wir es noch einmal unnötig spannend gemacht.“ Gerade im ersten Durchgang, so Hannappel, hätte seine Mannschaft konsequenter agieren und sich dadurch mehr Möglichkeiten erarbeiten müssen. Stattdessen blieb der Gegner „immer noch ein Stück weit im Spiel“.
Genau daraus entwickelte sich letztlich das typische Pokalszenario. „Die Stimmung von außen wird noch einmal angeheizt und die Partie entwickelt ihre ganz eigene Dynamik“, erklärte der FSV-Coach. Eine Dynamik, die am Mittwochabend eindeutig gegen die vermeintliche Komfortzone des Favoriten arbeitete.
Besonders erfreulich aus Tarforster Sicht: Hannappel konnte mehreren jungen Spielern Verantwortung geben. „Wir hatten heute viele junge Spieler dabei, darunter auch zwei Jungs aus der A-Jugend, die ihr Debüt gefeiert haben. Auch sie haben ihre Sache gut gemacht“, betonte der Cheftrainer. Der Pokalabend war somit nicht nur eine Geduldsprobe, sondern zugleich eine wertvolle Erfahrung für den Nachwuchs.
Und so bleibt unter dem Strich die vielleicht wichtigste Erkenntnis des Abends: Im Pokal muss man nicht glänzen, man muss weiterkommen. Der FSV hat das geschafft. Die DJK hat gekämpft, gebissen und den Favoriten bis in die Schlussminuten gefordert. Tarforst dagegen nahm den Kampf an, überstand die heiße Phase und brachte die knappe Führung über die Ziellinie. Hannappel brachte es entsprechend auf den Punkt: „Letztlich haben wir es geschafft, das Spiel über die Zeit zu bringen. Und am Ende zählt vor allem eines: Wir sind eine Runde weiter.“
Mehr Pokalromantik braucht es eigentlich nicht.
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt den Trierer Höhenkickern allerdings nicht. Bereits am Samstag wartet auf Rheinlandliga-Ebene die nächste Aufgabe. Um 17:30 Uhr empfängt der FSV den TuS Immendorf. Dann geht es nicht mehr um Pokalgesetze, sondern wieder um Punkte. Nach 90 Minuten Zittern in St. Matthias dürfte Tarforst jedenfalls genau wissen, dass auch vermeintlich klare Aufgaben erst dann wirklich klar sind, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Die dritte Pokalrunde ist gebucht. Jetzt soll in der Liga nachgelegt werden. AM






















