FSV Trier-Tarforst und TuS Immendorf liefern sich in der PEKI-Arena ein intensives 3:3 – Decker trifft doppelt, Merling sorgt zwischenzeitlich für die Führung, am Ende bleibt jedoch nur ein Punkt

Es war kein Abend für Schönwetterfußball. Der Regen fiel. Hartnäckig. Die Temperaturen blieben zwar mild, doch die Bedingungen in der PEKI-Arena waren alles andere als einladend. Rund 125 Zuschauer trotzten dem nasskalten Samstagabend und bekamen dafür ein Spiel zu sehen, das über 90 Minuten vieles bereithielt: Führungswechsel, Rückschläge, Leidenschaft, Zweikämpfe – und sechs Tore. Am Ende trennten sich der FSV Trier-Tarforst und der TuS Immendorf am 4. Spieltag der Rheinlandliga mit 3:3. Ein Ergebnis, das letztlich gerecht wirkte. Für die Trierer Höhenkicker aber auch eines, das zeigte, woran es in den kommenden Wochen noch zu arbeiten gilt.
Dabei begann der FSV durchaus verheißungsvoll. Fünfte Minute. Benedikt Decker verlängerte per Kopf auf Luca Quint, dessen Abschluss allerdings keine ernsthafte Prüfung für den Immendorfer Schlussmann darstellte. Nur drei Minuten später wurde es erneut gefährlich: Leon Schmid zog ab, doch der Keeper der Koblenzer Vorstädter war zur Stelle und entschärfte die Situation. Tarforst drückte. Früh. Mit Zug. Mit der Hoffnung auf einen schnellen Wirkungstreffer.
Doch der TuS blieb unbeeindruckt. Neunte Minute. Erste Gelegenheit für die Gäste – und FSV-Torwart Felix Kloy musste erstmals eingreifen. Ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Denn Immendorf fand zunehmend besser in die Partie, stand kompakt, verteidigte aufmerksam und störte die Hausherren früh im Aufbau. Tarforst bemühte sich um Kontrolle, bekam aber nur selten die nötigen Räume.
Dann die kalte Dusche.
- Minute. Eckball Immendorf. Der Ball segelte in den Strafraum, die Defensive der Gastgeber bekam die Situation nicht entscheidend geklärt – und Lucas Claus war zur Stelle. Er schob ein. 0:1. Der FSV lag zurück.

Tarforst reagierte. Bemüht. Aber zunächst ohne die letzte Konsequenz. Die Immendorfer standen tief und kompakt, gingen gleichzeitig früh auf den Ball und machten es den Trierern damit unangenehm schwer. Das Spiel wurde offener. Körperlicher. Härter. In der 21. Minute lag sogar das zweite Tor der Gäste in der Luft: Nach einem guten Angriff kam ein Immendorfer zum Kopfball, setzte diesen jedoch knapp am FSV-Gehäuse vorbei.
Tarforst hatte zu diesem Zeitpunkt sichtbar Probleme. Der Spielfluss stockte. Vorne fehlte die Durchschlagskraft. Die Trierer Höhenkicker kamen nur mühsam durch die dicht gestaffelte Defensive des TuS. Auch Cheftrainer Moritz Hannappel war das anzumerken. Lautstark dirigierte er seine Mannschaft von der Seitenlinie, forderte mehr Bewegung, mehr Intensität, mehr Zugriff. Sein FSV fand in dieser Phase nicht wirklich zu seinem Spiel.
Immendorf machte es clever. Die Koblenzer Vorstädter verwalteten ihre Führung abgeklärt, ließen wenig zu und hielten Tarforst weitgehend vom eigenen Strafraum fern. Die Gastgeber hatten zwar mehr Ballbesitz, doch Ballbesitz allein gewinnt bekanntlich keine Spiele. Es fehlten Tempo und Präzision. Vor allem aber fehlte der entscheidende Pass.
Dann kam die Nachspielzeit der ersten Hälfte – und mit ihr der Wendepunkt.
- Minute. Foulelfmeter für Tarforst.
Benedikt Decker übernahm Verantwortung. Kein Zögern. Kein Zittern. Der Angreifer blieb cool und verwandelte sicher zum 1:1. Aus einem schwierigen ersten Durchgang rettete sich der FSV damit mit einem Unentschieden in die Kabine.
Und plötzlich war alles wieder offen.
Nach dem Seitenwechsel zeigte Tarforst ein anderes Gesicht. Aggressiver. Zielstrebiger. Mutiger. Die Hausherren machten nun deutlich mehr Druck und setzten Immendorf zunehmend unter Stress. Was zuvor vielfach statisch gewirkt hatte, bekam jetzt Tempo.
- Minute. Wieder Decker.
Der Angreifer vollendete die Druckphase und schnürte seinen Doppelpack. 2:1 für den FSV. Aus Rückstand war Führung geworden. Innerhalb weniger Minuten hatte sich das Spiel gedreht.
Nun war Tarforst am Drücker. Die Gastgeber übernahmen zunehmend das Geschehen, Immendorf geriet unter Druck. Die PEKI-Arena hoffte auf den nächsten Treffer. Doch Fußball ist manchmal ein Spiel der Gegensätze – und Fehler werden nur allzu gerne bestraft.
- Minute. Ballverlust FSV. Immendorf schaltete blitzschnell um. Konter. Jan Bruker blieb cool und traf zum 2:2.
Ein Rückschlag. Einer, der den zuvor gewonnenen Schwung der Hausherren zumindest kurzzeitig bremste.
Doch Tarforst ließ sich nicht hängen. Beide Mannschaften kämpften nun um jeden Meter. Jeder Zweikampf hatte Gewicht. Jeder Ballgewinn wurde bejubelt. Das Spiel war längst zu einem offenen Schlagabtausch geworden.
- Minute. Wieder schlug der FSV zu.
Linus Merling, kurz zuvor eingewechselt, wurde von Böhme und Decker stark bedient und vollendete. 3:2. Joker-Tor. Führungswechsel. Wieder Tarforst vorne. Nun schien der Abend endgültig in Richtung Höhenkicker zu kippen. Doch erneut fehlte die letzte Konsequenz.
- Minute. Immendorf kam zurück. Sebastian Fischer nutzte eine Unachtsamkeit der Gastgeber und stellte auf 3:3. Wieder hatte Tarforst eine Führung aus der Hand gegeben. Wieder schlug der TuS nach einem Moment der Nachlässigkeit eiskalt zu. Danach war alles möglich.

Das Spiel wurde noch einmal völlig offen. Tarforst wollte. Immendorf wollte ebenfalls. In der Schlussphase ging es weniger um taktische Feinheiten als um Willen, Energie und den letzten Schritt. Beide Mannschaften drückten auf den Sieg. Beide hatten ihre Momente. Doch die Entscheidung wollte nicht mehr fallen.
- Minute. Noch einmal wurde es hektisch. Noch einmal warf sich jeder in den Zweikampf, noch einmal wurde um jeden Ball gerungen. Dann war Schluss. 3:3.
Ein gerechtes Ergebnis nach einem Abend, an dem beide Teams ihre starken und schwachen Phasen hatten. Für den FSV bleibt dennoch ein gewisser Beigeschmack. Zweimal führte Tarforst. Zweimal kam Immendorf zurück. Besonders ärgerlich: Beide Gegentreffer nach der 2:1- beziehungsweise 3:2-Führung resultierten aus Momenten, in denen die Hausherren nicht aufmerksam genug waren.
Cheftrainer Moritz Hannappel fand nach Abpfiff entsprechend klare Worte – und nahm seine Mannschaft dabei keineswegs aus der Verantwortung: „Wir haben heute eigentlich nur die 20 Minuten nach der Halbzeit wirklich zu unserem Spiel gefunden. In dieser Phase haben wir das umgesetzt, was wir uns vor dem Spiel vorgenommen und angesprochen hatten. In den restlichen 70 Minuten ist uns das leider nicht gelungen. Am Ende steht deshalb nur ein Punkt, und da müssen wir uns definitiv an die eigene Nase fassen. Wir können uns darüber ärgern, weil heute sicherlich drei Punkte möglich gewesen wären. Gleichzeitig müssen wir aber auch ehrlich zu uns selbst sein: Mit der Leistung, die wir heute über weite Strecken gezeigt haben, haben wir letztlich auch nicht mehr als einen Punkt verdient.“
Eine nüchterne Analyse. Und eine treffende zugleich. Denn der FSV zeigte nach der Pause eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Intensität, Laufbereitschaft und Zielstrebigkeit zusammenfinden. Genau diese Eigenschaften fehlten jedoch über weite Strecken des restlichen Abends. So wurde aus einer möglichen Drei-Punkte-Beute am Ende nur ein Zähler.
Der Regen hatte nachgelassen. Die Lichter der PEKI-Arena spiegelten sich auf dem nassen Rasen. Zurück blieb ein Spiel, das vieles bot, aber keinen Sieger fand. Tarforst kämpfte sich zweimal zurück, führte zweimal – und musste sich doch zweimal wieder einholen lassen. Ein Abend zwischen Aufholjagd und Nachlässigkeit. Zwischen Hoffnung und Ernüchterung.
Nun gilt es, den Blick nach vorne zu richten. Am kommenden Samstag wartet die nächste Aufgabe. Dann reisen die bis dato noch ungeschlagenen Trierer Höhenkicker zur SG Malberg. Anstoß ist um 16:00 Uhr. Neue Partie. Neue Chance. Und vor allem die Gelegenheit, aus einem Abend, an dem mehr möglich gewesen wäre, die richtigen Lehren zu ziehen. AM
Spiel-Infos
So spielte der FSV Trier-Tarforst: Kloy – Quint – Arnold (62. Suder) – Böhme – Heintel – Knürr (62. Merling) – Scheuring – Heitkötter – Schmid (72. Probst) – Decker – Weirich
Tore: 0:1 (13. Claus) – 1:1 (45. Decker / Foulelfmeter) – 2:1 (54. Decker) – 2:2 (58. Bruker) – 3:2 (69. Merling) – 3:2 (75. Fischer)
Schiedsrichter: Fabian Mohr
Zuschauer: 125






















