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Es war ein Abend, der lange nach einem klassischen Rheinlandliga-Derby aussah – und am Ende doch eine ganz eigene Geschichte schrieb. Vor 350 Zuschauern in der PEKI-Arena bezwang der FSV Trier-Tarforst den FC Bitburg mit 3:2. Fünf Tore, zweimal ein Rückstand, ein später Lucky Punch und eine Schlussphase, die kaum spannender hätte sein können. Tarforst bewies an diesem Freitagabend vor allem eines: Moral.

Die Gastgeber kamen mit Zug in die Partie. Tarforst bemühte sich früh um Kontrolle, suchte den Weg nach vorne und fand zunächst auch immer wieder Räume. Der Spielaufbau funktionierte, die ersten Angriffe sahen vielversprechend aus – nur der Ertrag fehlte. Bitburg stand kompakt, lauerte geduldig und wartete auf den Moment, in dem sich eine Lücke auftun würde. Nach rund zehn Minuten wurde der Gast mutiger, erhöhte den Druck und kam seinerseits besser ins Spiel. Es entwickelte sich eine offene Partie, intensiv geführt, mit viel Tempo und zwei Mannschaften, die keinen Meter herschenkten.

In der 16. Minute wurde erstmals deutlich, wie gefährlich Bitburg an diesem Abend über schnelle Umschaltmomente werden konnte. Nach einem Tarforster Abwehrfehler konterte der FC, doch Arnold war im entscheidenden Augenblick zur Stelle und verhinderte den Einschlag. Eine Minute später die Antwort des FSV: Leon Schmid setzte sich auf der Außenbahn durch und flankte präzise auf Neil Müller-Adams, dessen Abschluss allerdings direkt beim Bitburger Schlussmann landete. Das Derby nahm Fahrt auf.

Und dann ging es plötzlich schnell. Zu schnell aus Tarforster Sicht. In der 24. Minute nutzte Bitburg einen gelungenen Angriff konsequent aus. Lukas Herres tauchte frei vor dem Tor auf und ließ Felix Kloy keine Chance. 0:1. Ein Treffer, der die Gastgeber zunächst kalt erwischte. Doch Tarforst blieb dran – und fand nur sechs Minuten später die passende Antwort. Ein langer Ball aus der Mitte hebelte die Defensive aus, Elias Heitkötter startete im richtigen Moment, lief sich frei und vollendete seinen Lauf seitlich ins Tor. Unhaltbar. 1:1.

Nun war der FSV endgültig im Spiel. Heitkötter hatte wenig später sogar die Führung auf dem Kopf, setzte eine Flanke von Leon Schmid jedoch knapp neben das Tor. Tarforst entwickelte zunehmend Druck, kombinierte gefälliger und bekam Auftrieb. Bitburg blieb allerdings jederzeit brandgefährlich, vor allem dann, wenn der Ball nach einem Ballverlust schnell nach vorne getragen wurde. Immer wieder ging es mit wenigen Kontakten in Richtung Tarforster Strafraum. Kurz vor der Pause musste der FSV eine weitere brenzlige Situation überstehen, nachdem der Ball über mehrere Stationen nicht entscheidend geklärt werden konnte. Am Ende schlug Tarforst die Kugel aus der Gefahrenzone.

Nach dem Seitenwechsel dann erneut ein Nadelstich des Gastes. Bitburg schaltete blitzschnell um, Lucas Herres bereitete vor, Pascal Müller schob ein. 50. Minute, 1:2. Nur zwei Minuten später hätte es beinahe erneut geklingelt: Bierbrauer stand frei vor Kloy, doch der Tarforster Keeper reagierte glänzend und hielt seine Mannschaft im Spiel.

Tarforst musste sich zu diesem Zeitpunkt vorwerfen lassen, im letzten Drittel zu wenig aus den eigenen Möglichkeiten zu machen. Die Ansätze waren da, der Ball lief ordentlich – doch die zündende Idee und der konsequente Abschluss fehlten. Genau hier lag die Aufgabe für die verbleibende halbe Stunde.

Und Tarforst lieferte.

In der 60. Minute fiel der erneute Ausgleich. Wieder war Leon Schmid der Wegbereiter. Seine starke Vorlage fand Caspar Suder, der sich nicht zweimal bitten ließ und eiskalt einschob. Der Bitburger Keeper war ohne Chance. 2:2. Alles wieder offen.

„Ich glaube, dass wir mit Ball unser bisher bestes Spiel gemacht haben“, sagte Cheftrainer Moritz Hannappel später. Seine Mannschaft habe immer wieder die Räume gefunden, die man zuvor angesprochen hatte. Und genau das war nun zu sehen: Tarforst blieb mutig, suchte die Entscheidung und ließ sich auch vom zweimaligen Rückstand nicht aus der Ruhe bringen.

Die letzten zehn Minuten wurden zur offenen Abrechnung mit der Dramaturgie. In der 77. Minute lag die Führung bereits in der Luft. Erst Florian Weirich, dann Dustin Knürr – eine einzige Aktion, zwei Abschlüsse, doch Bitburg überstand die Szene mit Glück. Drei Minuten später war es erneut knapp: Müller-Adams bekam eine Flanke von Knürr serviert, brachte den Abschluss aber zu lasch auf den Torwart.

Dann kam die 88. Minute.

Und mit ihr der Moment, der diesen Derbyabend endgültig in Erinnerung brennen ließ.

Luca Heintel schlug die Flanke in den Strafraum. Dort stieg ausgerechnet der „Kleinste“ am höchsten. Dustin Knürr setzte sich durch, kam mit dem Kopf an den Ball und drückte ihn über die Linie. 3:2. Lucky Punch. Die PEKI-Arena stand Kopf.

Doch das Spiel war noch nicht vorbei. Bitburg warf alles nach vorne, Tarforst musste tief durchatmen und um jeden Zentimeter kämpfen. In der 90. Minute fehlte nicht viel zum erneuten Ausgleich. Der Ball war schon fast im Tor, doch Tarforst rettete auf der Linie. Danach war Schluss. Erleichterung, Jubel, drei Punkte.

Hannappel sprach anschließend von zwei kurzen Unkonzentriertheiten, aber auch von dem nötigen Quäntchen Glück in der Schlussphase. „Am Ende hatten wir vielleicht aber auch ein bisschen Dusel“, räumte der Trainer ein. Doch sein Fazit war eindeutig: „So ist das manchmal in Spielen, die am Ende noch einmal eng werden – dann muss man die eine oder andere Situation überstehen. Das haben wir gemacht. Und deshalb kann ich vor meinen Jungs eigentlich nur den Hut ziehen für diese Leistung.“

Es war ein Derby, das Tarforst zweimal zurückkommen ließ und am Ende trotzdem auf die Siegerstraße führte. Es war Fußball mit offenem Visier, mit Rückschlägen, Antworten und einem späten Moment, der die Statik des Spiels endgültig verschob. Der FSV hat nicht alles perfekt gemacht. Aber er hat immer weitergemacht. Und genau das wurde am Ende belohnt.

Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt allerdings nicht. Bereits am kommenden Mittwochabend wartet im Rheinlandpokal die nächste Herausforderung. Um 19:30 Uhr empfängt Tarforst zuhause den Oberligisten Rot-Weiss Wittlich. Nach dem Derby-Krimi folgt damit unmittelbar der nächste Härtetest. Die PEKI-Arena dürfte sich dabei nur allzu gerne an diesen Freitagabend erinnern: an fünf Tore, 350 Zuschauer und einen „Kleinsten“, der ganz groß herauskam. AM

Spiel-Infos

So spielte der FSV Trier-Tarforst: Kloy – Quint – Arnold – Scheuring (75. Heintel) – Heitkötter – Suder – Schmid (75. Knürr) – Kiesewetter (80. Probst) – Decker (84. Stüber) – Müller-Adams (89. Resch) – Weirich

Tore: 0:1 (24. Herres) – 1:1 (30. Heitkötter) – 1:2 (51. Müller) – 2:2 (60. Suder) – 3.2 (88. Knürr)

Schiedsrichter: Marek Rosswinkel

Zuschauer: 350

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