Dienstag, 21 April 2020 08:35

Kaderplanung in Krisenzeiten – Großteil der Mannschaft gab Zusage

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DSC00046Inmitten der schwierigsten Krise darf man nie den positiven Blick nach vorne außer Acht lassen. Der Fußball – zumindest noch, lauert weiterhin im Wartemodus. Ein Spielbetrieb bislang noch tabu – könnte es trainingsmäßig dagegen aber schon bald, jedoch unter strengen Auflagen, auch im Amateurbereich wieder in die Vollen gehen. Das Sportamt der Stadt Trier prüft in den kommenden Tagen – in wie weit ein Trainingsbetrieb unter den vorgegebenen Auflagen auf den städtischen Anlagen möglich sei. Denn noch sind sämtliche Stätten – und das nicht nur für den Bereich Fußball, derzeit noch voll gesperrt.

Mächtig Improvisation stand bislang auch im Lager von Fußball-Rheinlandligist FSV Trier-Tarforst geschrieben. Ein kollektives Training war verboten – stattdessen fütterte Chef-Trainer Holger Lemke seine Jungs mit individuellen Übungen, die alleine zuhause, oder auch draußen, absolviert werden konnten. Die Spieler selbst nahmen diese harten Maßnahmen jedoch mit gemischten Gefühlen wahr. „Wir können uns zwar alle individuell fit halten – dennoch fehlt mir der Ball sowie der direkte Kontakt zu meinen Mannschaftskollegen“, untermauert FSV-Abwehrspieler Adrian Ziewers.

Ähnlich und sogar mit einer Einschätzung wie es in dieser Saison weitergehen könnte – äußerte sich auch Tarforsts Stürmer Nicola Rigoni – der gerade als gebürtiger Italiener eine ganz besondersDSC00052 emotionale Bindung in dieser Krise pflegt: „Ich glaube so richtig kann niemand realisieren – in was für einer Situation wir uns momentan befinden. Alles wirkt völlig surreal – aber die aktuellen Infektionszahlen bestätigen, dass es sich um eine ernstzunehmende Pandemie handelt. Wir müssen uns weiterhin an die vorgeschriebenen Regeln halten bis sich die Situation verbessert hat – um nicht einen Zustand wie in Italien zu erreichen. Für mich als Italiener ist es zudem sehr schockierend was in unserer Heimat momentan los ist. Ein Land – dass sonst nur so vor Lebensfreude strotzt, die es lieben unter Menschen zu sein, Kaffee zu trinken und das Leben zu genießen, in solch einer Schockstarre zu sehen, ist erschreckend. Ich selbst habe noch Verwandte in Italien – die in der Nähe von Venedig wohnen. Man macht sich natürlich nochmals mehr Sorgen – wenn es um die Familie geht. Gott sei Dank ist meine Familie bis jetzt noch gesund – wir haben ständigen Kontakt und unterstützen uns so gut es geht. Was den Fußball und eine mögliche Wiederaufnahme der Saison angeht – bin ich persönlich für die sofortige Beendigung der Saison. So sehr wir alle den Fußball auch lieben – am Ende gibt es nichts Wichtigeres als die Gesundheit. Eine Möglichkeit wäre es zum Beispiel – dass die aktuellen Tabellenführer aufsteigen, allerdings niemand absteigt. Folgend wird in der darauffolgenden Saison mit mehr Mannschaften gespielt – somit steigen dann aber auch mehr Mannschaften wieder ab.“

Und seine These ist gar nicht mal so weit weg von einer möglichen und durchaus denkbaren Umsetzung. Seitens des Verbands gab es nämlich jüngst eine gemeinsame Videokonferenz mit zahlreichen Vereins-Vertretern der Fußball-Rheinlandliga. Die Mehrheit und da war man sich wohl einig – wäre ebenfalls für eine direkte Beendigung der Saison. Stand jetzt ruht der Ball bis auf unbestimmte Zeit. Erst galt der 20. April als Stichtag für eine mögliche Fortsetzung – doch auch dieses Zeitfenster wurde prompt von Politik und Verband zunichte gemacht.

Somit fährt man im Hause der Trierer Höhenkicker zweigleisig. Der Gedanke einer möglichen Wiederaufnahme immer stets in der Hinterhand – blickt man aber auch schon eifrig auf die nächste Saison, die es schon jetzt zu planen gilt. Gespräche mit den Spielern und auch potenziellen Neuzugängen werden geführt. Tarforst will Planungssicherheit – ganz egal wo die Corona-Krise enden mag. Bislang haben schon mit Adrian Ziewers und Nicola Rigoni zwei Spieler ihren weiteren Verbleib offiziell und öffentlich kundgetan.

DSC00020„Aktuell werden eifrig Gespräche geführt. Bislang hat uns auch schon ein Großteil der Mannschaft für die kommende Saison zugesagt. Unser Ziel wird es nämlich auch in der kommenden Runde sein – möglichst viele Spieler aus der eigenen Schmiede in unseren Kader zu integrieren und höchstens mit zwei bis drei gestandenen Spielern zu komplettieren. Auch hier wird diesbezüglich schon mit diversen Kandidaten verhandelt – was aber gerade in der momentanen Corona-Krise nicht immer einfach ist“, betont Chef-Trainer Holger Lemke, der auch Stand Ende April nicht genau weiß, wie es nun seitens des Verbands weitergeht. Ein möglicher Saisonabbruch steht im Raum – auch für Lemke das nicht ganz unrealistische Szenario, wie der Ex-Profi weiter untermauert: „In der Situation ist es schwierig zu sagen welche mögliche Entscheidung richtig oder falsch ist. Ich bin nur der Meinung – dass nun auch endlich mal eine endgültige Entscheidung getroffen werden muss, sodass die Vereine ihre Planungen vorantreiben können. Bei allen Entscheidungen sollte aber immer stets das Wohl der Spieler plus Familien im Vordergrund stehen.“

Trotz misslicher Lage und dem großen Vermissen nach der Leidenschaft Fußball – hat diese Krise aber auch einen leicht positiven Nachgeschmack. So konnten sich einige verletzte Spieler wieder bestens erholen und das Training – jedoch alleine und abseits des Platzes, wieder aufnehmen. Auch für Holger Lemke ein gute Nachricht – in dieser doch schwierigen Zeit: „Das ist aber wohl auch das einzige Positive was uns diese Krise beschert hat. Kleinere Blessuren konnten so bislang auskuriert werden. Julian Schneider – Marcel Dammer und auch Philipp Hahn könnten demnach schon bald wieder voll einsatzfähig sein. Zudem freut es uns auch – dass die Langzeitverletzten Christian Steinbach und auch sogar Fynn Martin langsam wieder ins eingeschränkte Training einsteigen können. Sven Haubrich wird aber trotz der Krise wohl noch eine längere Zeit brauchen.“

Somit stehen wohl auch in den kommenden Tagen improvisierte und individuelle Einheiten auf dem Programm. Nicht immer leicht für die Spieler – sieht Lemke aber trotzdem eine gute Chance,DSC00253 Kondition und Eigenfitness voranzubringen: „Ich denke das meine Jungs allesamt die fußballfreie Zeit genutzt haben und auch weiterhin nutzen werden – an ihrem eigenen Fitnesszustand zu arbeiten. Für einige Spieler ist es zudem auch eine Chance – sich voll auf das Training zu konzentrieren, da einige wohl auch aus beruflichen Gründen momentan einfach mehr Zeit haben. Trotzdem merkt man schon das einige Jungs langsam etwas unruhig werden. Die eingeschränkte Fitness ist zwar gut und schön – aber der Ball selbst und besonders der direkte Kontakt zu den Mannschaftskollegen fehlt schon extrem.“

Die Individualität im Lager des FSV wird somit auch in den kommenden Tagen großgeschrieben. Eine Lockerungen im Fußball – oder gar eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs, stehen demnach weiterhin mit genervter Miene an. Fußball ist und bleibt nämlich auch in Zukunft ein Kontaktsport – wo die bislang geltenden harten Maßnahmen keine Haftung finden. Vieles deutet auf einen Saisonabbruch hin. Es wäre die einfachste und fairste Lösung aller Mannschaften – und könnte somit auch den endgültigen Weg frei machen, sich voll und ganz auf die kommende Saison zu konzentrieren, die dann hoffentlich ohne Einschränkungen wieder in gewohnter Form mit Fußball begeistern kann. André Mergener

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