Montag, 11 Mai 2020 08:49

Als Tarforst den zweifachen Durchmarsch probte

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dscf1820Corona gleich fußballfrei – doch die Erinnerung an bessere Zeiten, meist schöne und unvergessliche, bleiben unberührt trotz Krise in den Gedanken fest verankert.

Wisst ihr noch...? Oft fangen so Geschichten der Großeltern an – die ihren Enkeln Zitate aus Leben und Kultur erzählen. Gespannt lauscht man den Worten zu – und begibt sich meist auf eine Reise, um das Erlebte der Anderen gedanklich zu erfassen. Auch in der langen Vita des FSV Trier-Tarforst schlummern genau diese Geschichten – die man immer und immer wieder verkünden könnte. Errungene Siege – dramatische Spiele, tragische Niederlagen und vieles mehr. Das Archiv der heimischen Zunft ist groß – und doch fallen einem aber immer wieder die besonderen Eckpfeiler ein, die diesen Verein bis heute geprägt haben.

Wir verlassen das Jahr 2020 und begeben uns auf eine lange Reise zurück ins Jahr 2008 – genauer gesagt in die Saison 2008/2009. Der FSV Trier-Tarforst mutierte unlängst zu einer festen Größe in der Kreisliga-A Trier/Saarburg – spielte man in dieser Runde aber einen ganz besonders starken Fußball und ließ sämtliche Konkurrenz im Schatten verdunsten. Die frühzeitige Meisterschaft mit am Ende starken 59 Punkten war schon sicher und wurde spätestens am letzten Spieltag nach einem 2:2-Remis beim SV Pölich-Schleich mit reichlich Sekt begossen. Der Aufstieg in die Bezirksliga-West war perfekt – allen voran mit Meistertrainer Dirk Fengler, der beim FSV längst als Stratege mit harter Gangart gefeiert wurde.

Seine Arbeit hinterließ Spuren – auch wenn sich der Ton oftmals rau und hart anhörte. Die Spieler hatten Respekt – zeigten reichlich Zufriedenheit und münzten diese schließlich auf dem Platz in Erfolg um.

Denn auch im darauffolgenden Aufstiegsjahr – noch immer hielt Fengler die Zügel in den Händen, spielten die Trierer Höhenkicker eine beachtliche Saison in Deutschlands zweithöchster Verbandsklasse. Das Ziel war damals klar – den direkten Wiederabstieg mit aller Macht vereiteln. Doch vor dieser möglichen Tristesse war der FSV meilenweit entfernt. Der Blick ging stattdessen nachc12 20100516 svl fsv dirk fengle oben – und das über einen längeren Zeitraum. Nach der Winterpause vermuteten Kritiker jedoch einen Einbruch – schon oft gesehen bei noch euphorischen Aufsteigern. Doch auch dieses Szenario blieb den Tarforstern erspart. Statt einem Einbruch im sportlichen Sinne – stürmte der FSV auch nach der winterlichen Abstinenz allen davon und lieferte sich gemeinsam mit der Mosella aus Schweich ein bis zum letzten Spieltag stattfindendes Kopf an Kopf Rennen der besonderen Art. Das beste Heimteam der Liga aus Tarforst – gegen das beste Auswärtsteam der Liga aus Schweich. Für den Thron reichte es jedoch nicht. Am Ende sprang ein starker zweiter Rang heraus und die damit verbundene Relegationsrunde im Kampf und einen möglichen Aufstieg in die Rheinlandliga. Die beste Ausgangsposition – den Traum eines lupenreinen Durchmarsches zu verwirklichen, hatte letztendlich der FSV Trier-Tarforst, der zunächst zum Auftakt im Rahmen der Relegation gegen Metternich mit 3:2 und anschließend mit 3:0 gegen Hundsangen gewonnen hat. Zum letzten Spiel des Viererkampfs musste der FSV nach Neitersen. Auf der Emma – so heißt der damalige Hart- und heutige Kunstrasenplatz der Westerwälder, wollte man das heimische Sommermärchen küren. Der Kader war bereit und voller Euphorie – konnte man sich schließlich auch in diesem Unterfangen sicher behaupten und nach einem torlosen Unentschieden den Aufstieg in die Fußball-Rheinlandliga perfekt machen.

Tarforst war im Fußball-Olymp angekommen – zumindest auf Verbandsebene. Die Feier ging weit bis in die Nacht – und fand schließlich auch nach Ankunft im heimischen Tarforst kein Ende. Sekt und Wein flossen in Strömen – ein Auto-Corso durch das Dorf und eine jubelnden Menge verneigte sich einst vor dieser charakterstarken Truppe. Wieder führte Dirk Fengler die glorreiche Regie – der sich nun zwei Aufstiege in Folge in seine erfolgreiche Tarforster Vita notierte. Die Mission Rheinlandliga konnte schließlich beginnen – gemeinsam mit Fengler, der auch 2011 mit seinem Team für mächtig Furore sorgte.

dscf1808Aber auch die erste Rheinlandliga-Saison in der Geschichte des FSV konnte sich sehen lassen. Noch von reichlich Euphorie getragen – durchlief man schließlich mit einem breiten Grinsen zahlreiche Spieltage und landete am Ende als Aufsteiger auf einem starken fünften Tabellenplatz.

Doch schon im zweiten Rheinlandliga-Jahr in Folge wurde es holpriger. Die Gegner wurden zäher und die eigenen Kräfte schraubten sich nach unten. Und trotzdem bot man Kampf und Leidenschaft – auch wenn es nicht immer zum großen Sieg reichte. Doch bereits schon am vierten Spieltag – der FSV gastierte beim damaligen Oberliga-Absteiger SG Bad Breisig, gab es den ersten doppelten Paukenschlag im eigenen Trikot. Die heimischen Farben unterlagen im Schatten des Rheins deutlich mit 3:5 und spätestens in der Kabine – verstummten sämtliche Gemüter. Dirk Fengler gab überraschend seinen Rücktritt bekannt. Eine Aussage mit der keiner gerechnet hatte und auch wollte. Fengler galt als Aufstiegs-Ikone – drehte er aber von nun an seinem FSV den Rücken zu. Traurigkeit und Sprachlosigkeit standen geschrieben – mussten die Trierer Höhenkicker schließlich mit dieser bitteren Gewissheit die Heimreise nach Trier-Tarforst antreten.

Eine Saison mit reichlich Rückschlägen folgte – sprang am Ende aber trotz all den turbulenten Umständen mit 42 Punkten und Platz dreizehn, der sichere Klassenerhalt heraus.

Es war die zweite Saison in Deutschlands höchster Verbandsklasse in Folge. Acht weitere Jahre in dieser Liga sollten schließlich noch folgen – ehe die Corona-Krise im Hier und Jetzt den Fußball erneut zum Schweigen brachte.

Trotz Krise liegen aber noch viele weitere schöne Geschichten im Archiv auf Abruf. Man will sie erzählen – ob schön oder unschön, dass Erlebte kann keiner einem nehmen, noch nicht einmal ein Virus, dass uns wohl noch ein Weilchen begleiten dürfte. André Mergener

 

Mehr Bilder vom Aufstieg in die Rheinlandliga und noch viele weitere gibt´s hier

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