Mittwoch, 13 Mai 2020 09:04

Als Schweich den Lucky-Punch bejubelt und die Rivalität schürte

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Beste Freunde wird man nicht mehr – zumindest in diesem Fußballleben. Das sportliche Verhältnis zwischen Schweich und Tarforst ist angespannt – man könnte gar sagen, beide Clubs pflegen eine gesunde aber trotzdem spürbare Rivalität. Die vergangenen Duelle meist immer eine ''Schlacht'' im Fußballsinne – kochten nicht nur auf dem Platz, sondern auch abseits des Rasens die Emotionen oftmals über.

Harte Zweikämpfe – zahlreiche Fouls, etliche Karten und fiese Worte. Die Gangart – alles andere als zart, trugen beide Vereine so reichlich Nervenkitzel und Spannung auf die große regionale Fußballbühne.

Ein Spiel jener besagten Konkurrenten brannte sich besonders stark in die Erinnerung ein. Geschrieben stand der 21. September 2013 – als ein Schweicher Gastauftritt in eigener Hütte zur bitteren Pille wurde. Ein fieser Beigeschmack – obwohl es lange nach einem Sieg der heimischen Farben aussah.

20101105 Tarforst Schweich ALB 8Auf den Rängen zählte man knapp 300 Zuschauer. Voll bestückt und überschaubare Lücken – ging Tarforst damals leicht favorisiert ins Rennen. An der Seitenlinie hielt Trainer Patrick Zöllner die Geschicke in den Händen – auf der Gegenseite stand sein Kollege Eric Schröder. Trotz einigen Ausfällen auf eigener Bank – konnte Zöllner aber trotzdem eine starke Elf auf den Rasen zaubern, die der Schweicher Truppe gehörige Probleme bereiten sollte. Aber auch Schweich stand sattelfest dem Lokal-Derby gegenüber. Die alte und rare Truppe – so wie Schweich einst große Erfolge notierte, standen im Aufgebot geschrieben. Ein Patrick Quarry – ein Florian Beaudouin, ein Dario Mock im Tor und viele weitere Hochkaräter, die einst die Mosella prägten. Aber auch im eigenen Trikot standen Namen – die noch heute des heimische Leibchen tragen. Kapitän Bernhard Heitkötter – Thorsten Oberhausen, oder der noch verletzte Sven Haubrich.

Schon beim Einlaufen warf man sich böse Blicke zu. Es brodelte – die Zuschauer erahnten den bevorstehenden Fight auf Messers Schneide und wurden mit dem Verlauf des Spiels auch nicht enttäuscht.

Dabei gelang der Mosella ein Start nach Maß. Bereits nach acht Minuten gingen die Gäste vom Winzerkeller mit 0:1 aus Sicht der Tarforster in Front. Stefan Schleimer – zuvor mustergültig bedient von Alexander Schabo, brachte das Schweicher Schiff mit einem unhaltbaren Tor auf Kurs. Keine Chance für den damaligen FSV-Keeper Dominik Wintersig – der zum ersten, aber nicht zum letztem Mal in diesem Spiel hinter sich greifen musste.

Doch die Hausherren zeigten sich unbeeindruckt vom frühen Rückschlag. Der FSV agierte stark und ziemlich rasant – und glich nach gut zwanzig Minuten dank Tobias Spruck mit 1:1 aus. Der blitzschnelle Blondschopf nutzte eine kurzzeitig unkonzentrierte Schweicher Abwehr eiskalt aus – schlängelte sich drahtig in Richtung des Tores hindurch und traf schließlich freistehend vor TuS-Keeper Dario Mock zum bis dato verdienten Ausgleich.

Wenige Minuten später durfte man schließlich im heimischen Bund erneut jubeln – dieses Mal dank der 2:1-Führung, die Florian Weirich nach einer hohen Hereingabe Richtung Strafraum souverän mit dem Kopf verwandeln konnte. Das Spiel war gedreht – die Mosella angezählt,20101105 Tarforst Schweich ALB 12 deutete nun vieles auf einen weiteren Erfolg über den alten Rivalen hin. Die Folgeminuten gehörten dem FSV – der trotz zahlreiche Chancen jedoch keinen weiteren Treffer mehr erzielen konnte. Auch die Ränge klatschten im selben Takt. Der Takt auf dem Platz dagegen wurde noch ruppiger. Die Fouls – teilweise dem Frust des Gegners geschuldet, häuften sich und brachten einen ''fairen'' Spielfluss ins Wanken. Der Schiedsrichter – damals leitete Ingo Kreutz das hitzige Treiben, hatte mächtig Arbeit und behielt aber trotz zunehmender Härte, immer stets den professionellen Überblick.

Gegen Ende – die Uhr rief nur noch zehn Minuten Spielzeit aus, drehte die schon verloren geglaubte Mosella aber noch einmal auf. Man drückte auf den Ausgleich – Tarforst wirkte verunsichert, schlichen sich nun vermehrt kleinere Fehler in die eigene Hintermannschaft ein, die Schweich auch prompt ausnutzte. Viele Ecken und Freistöße folgten in den Farben der Gäste. Bislang jedoch ohne Erfolg – konnte Tarforst noch durchatmen, ehe in der Nachspielzeit schließlich das große Entsetzen seinen Lauf nahm. Es war die letzte Aktion des Spiels – als Markus Oltmanns mit Härte und Maß den Ball von rechts ins linke Eck schoss und sämtliche Tarforster Gemüter verstummen ließ. Der 2:2-Ausgleich – praktisch in letzter Sekunde. Für Tarforst eine gefühlte Niederlage – für die Mosella hingegen ein starker Triumph, der nicht nur einen Punkt in der Höhle des Löwen sicherte, sondern auch die alte Rivalität noch mehr schürte.

Heute trennen beide Clubs wieder eine Spielklasse. Die einst unvergesslichen Momente dieser Vereine bleiben jedoch bestehen – hofft man doch, dass Schweich bald wieder den Aufstieg in die Rheinlandliga verwirklichen kann. Dann könnte es nämlich weitergehen mit der endlosen Rivalität zweier Clubs – die den regionalen Fußball nicht nur spannend, sondern auch einzigartig machen. André Mergener

 

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