Freitag, 15 Mai 2020 09:23

Tränenreicher 10-Tore-Abschied vor 600 Zuschauern

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Ein heißes Treiben inmitten eines sonnigen Mai-Sonntags. Es war der 20. Mai 2012. Die Sonne brannte gnadenlos auf den Kunstrasenplatz am heimischen Trimmelter Hof nieder – als sich mit Tarforst und Mehring zwei Teams gegenüberstanden, die dem Begriff Lokal-Derby mit aller Macht Leben einhauchten.

Auch auf den Rängen stand man eng beieinander. Kaum noch Platz zwischen den einzelnen Stufen – notierte man am Ende mit 600 Zuschauern den zweithöchsten Zuschauerrekord im Hause des FSV.

Aber auch sportlich erwartete man so einiges. Einen Underdog gab es nicht – höchstes ein mit Spannung erwartendes Bruderduell der beiden Fleck-Brüder, die oft vereint, an diesem Tag jedoch in unterschiedlichen Trikots sich gegenüberstanden. Stefan Fleck aufseiten des FSV – sein Bruder Michael lief für Mehring auf. Hitzige Worte bereits schon im Vorfeld – der Kampf war geladen, dass Spiel begann und nahm schon gleich zu Beginn mächtig an Fahrt auf.

tarforst mehring 007Bereits nach acht Minuten bildeten die Trierer Höhenkicker schon die erste Jubeltraube des Spiels – nachdem Patrik Kasel, am Ende der Saison wurde er zudem Torschützenkönig der Fußball-Rheinlandliga, mit dem 1:0 den Torreigen für sein Team eröffnete (8.). Hartgeführte Minuten folgten – ehe Mehring unmittelbar vor dem Pausenpfiff schließlich für eine kurzzeitige Wende sorgte. Erst glich Michael Fleck zum 1:1 aus (38.) – anschließend traf Achmed Boussi (44.) zum 1:2 aus Sicht der Tarforster und brachte seinen SVM zumindest für eine Minute lang eiskalt in Front. Denn die Führung der Gäste hielt im Hause des FSV nicht lange stand. Patrik Kasel – wieder trumpfte er vor dem Tor in Höchstform auf – netzte ein zum 2:2-Ausgleich und stellte die Uhren somit wieder auf Null.

Doch nach dem Seitenwechsel – beide Teams tankten in der Kabine reichlich Selbstvertrauen, erhaschten die Gäste von der Mosel zunächst den besseren Start in die zweite Spielhälfte. Tarforst gedanklich wohl noch abseits des Platzes – gelang dem SV Mehring, damals noch unter der sportlichen Leitung von Thomas Schmitt, ein torreicher Doppelschlag. Erst gelang Michael Fleck nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff mit dem 3:2 die erneutetarforst mehring 004 Führung – anschließend traf auch Dominik Kohl (54.), der mit dem 4:2 aus Sicht der Gäste die Hausherren zunächst verstummen ließ.

Denn erst nach einer Stunde entsendet auch Tarforst wieder ein starkes Lebenszeichen – und das im Herzschlag von Goalgetter Patrik Kasel, der mit dem Treffer zum 3:4-Anschluss gemeinsam mit seinem Team wieder neue Hoffnung schöpfte (60.). Drei Minuten später schlugen die Trierer Höhenkicker nämlich erneut zu – dieses Mal in Person von Florian Weirich, der keck und mit Maß zum 4:4-Ausgleich einschob (63.).

Besonders die Schlussminuten genossen eine Spannung mit erhöhtem Puls. Ein offener Schlagabtausch entwickelte sich. Der Fight schraubte sich auf beiden Seiten zur Höchstform. Spätestens nach der erneuten Führung der Hausherren – wieder traf Patrik Kasel, der seinen FSV mit dem 5:4 ''fast'' auf die Siegerstraße brachte (77.), kochten auch die Emotionen auf den Rängen über. Ein Sieger lag noch fern – denn auch Mehring gab weiterhin Vollgas und dachte keineswegs ans Aufgeben. Schließlich wurde die gute Moral der Moselaner fünf Minuten vor Schluss belohnt – nachdem André Weinberg mit dem 5:5-Ausgleich für einen torreichen und vergesslichen Endstand sorgte.

Die Punkte wurden zwar geteilt und trotzdem flossen nach Spielende die Tarforster Tränen. Doch nicht wegen dem Ergebnis – viel mehr weil ein ganz Großer die heimische Fußball-Bühne verlassen hat. Markus Schwind – über Jahre hinweg die Nummer eins im FSV-Gehäuse gewesen, absolvierte beim 5:5 gegen Mehring sein letztes Spiel im Trikot des FSV Trier-Tarforst. „Niemals geht man so ganz“ schallte über die Lautsprecher der Sportanlage – als selbst bei Schwind gefühlsmäßig alle Dämme brachen. Ein großes Banner – vom Team einst kreiert, notierte die Aufschrift „DANKE SCHWINNI“. Von den Rängen gab es reichlich Applaus für einen ganz großen Sportsmann. Er war der Rückhalt des FSV – ein Schutzschild mit reichlich Talent und Wille, der nun damals wehmütig für immer seine Torwarthandschuhe an den Nagel hing. Noch heute erinnert man sich gerne an diesen besagten Mai-Sonntag zurück – wo nicht nur die Sonne gnadenlos strahlte, sondern auch Gefühle und Emotionen kein Halten mehr fanden. André Mergener

 

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