Freitag, 19 Juni 2020 09:18

Ein unvergesslicher Spätsommer-Tag an der Ahr

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Es war ein Spätsommertag im Jahr 2018. Genauer gesagt der 30. September – der einen mit ziemlich warmen Temperaturen überraschte. Für Fußball-Rheinlandligist FSV Trier-Tarforst stand an diesem Sonntag ein Auswärtsspiel auf der Matte. Das Ziel war Bad Neuenahr – wo kein geringerer auf die Trierer Höhenkicker wartete, als der Überflieger und Liga-Neuling Ahrweiler BC.

Die Rollen im Vorfeld waren klar verteilt. Trotz langjähriger Rheinlandliga-Erfahrung fuhr der FSV jedoch als Underdog ins fußballerische Neuland. Der ABC – so die Kurzform jener Elf, die bis zum damaligen Zeitpunkt die Liga mächtig durcheinander gewürfelt hat und somit die Favoritenrolle für dieses Spiel übernahm. Starke Spiele – robuste Einzelspieler und brandgefährlich vor dem Tor. Der Ahrweiler BC zählte damals zum engen Kreis der Aufstiegsfavoriten – und das, obwohl diese Elf erst den Aufstieg in die Rheinlandliga verwirklicht hat.

Groß zu verlieren hatte Tarforst nichts. Die Erwartungen an einen möglichen Dreier demnach in einem gesunden Rahmen – wollte sich der Trierer Vorstadtclub einfach nur stark verkaufen und vielleicht, sofern Fortuna will, für eine Überraschung sorgen.

Schon allein die Kulisse des Apollinaris-Stadion mit einem Fassungsvermögen von 5000 Plätzen – war für den FSV, der bislang nur Provinzplätze gewöhnt war, eine tolle Momentaufnahme. Auch an diesem Tag füllten sich die Ränge stetig. Am Ende zählte man knapp 400 Zuschauer.

Das Spiel selbst genoss zunächst ein Geschehen auf Augenhöhe. Beide Clubs investieren viel – gaben mächtig Vollgas und stellten schon früh jeweils die gegnerische Abwehr auf die Probe. Viele Chancen – starke Szenen, doch ein Tor wollte bislang nicht fallen. Bis zur Pause blieb es torlos und die Hoffnung aufseiten des FSV bezüglich einer Überraschung – wurde immer größer.

Denn auch nach dem Seitenwechsel spielten die Gäste aus Trier-Tarforst munter mit. Selbst Ahrweilers Wunderknabe Almir Porca fand kein wirksames Mittel gegen den FSV – der offensiv, aber vor allen Dingen auch defensiv höchste Konzentration abrief. Nach Wiederanpfiff gerieten die Hausherren jedoch nach einem groben Foulspiel von Maximilian Ahrens an Nicola Rigoni in Unterzahl. Knallrot mit besten Grüßen des Schiedsrichters – agierte Tarforst von nun an in Überzahl.

Es gefiel was man sah. Die zahlreichen Zuschauer aus heimische Stube feuerten tatkräftig ihren FSV an – der besonders im Endspurt noch einmal einen Gang höher schaltete. Der ABC zeigte sich verwundert. So viel Gegenwehr hatte man dem FSV nicht zugetraut. Eine Viertelstunde vor Schluss konnte das heimische Kollektiv schließlich jubeln und traf zur bis dato hochverdienten 1:0-Führung – die Lukas Herkenroth im Anschluss eines starken Angriffs erzielen konnte (75.). Ganze zehn Minuten hielten sich die Gäste auch in Führung – ehe Ahrweiler fünf Minuten vor Schluss den Druck so stark erhöhte, dass der Ausgleich nur noch reine Formsache war, den Andreas Dick souverän über die Torlinie drückte (85.).

Einen bärenstarken Job bot zudem auch der damalige FSV-Keeper Sebastian Dahm – der mit zahlreichen Paraden seine Tarforster Elf im Rennen hielt. Gegen Ende – fast alle gaben sich schon mit einer Punkteteilung zufrieden, drehte der FSV noch einmal so richtig auf. Die letzten Kraftreserven wurden abgerufen. Erst verpasste Martin Gorges frei vor dem Tor nur um Haaresbreite – anschließend schoss sich Lukas Herkenroth in der Nachspielzeit erneut bestens in Szene und markierte die siegreiche 2:1-Führung.

Es war vollbracht. Der Ahrweiler BC geschlagen in der eigenen Festung – jubelte sich Tarforst über den sonnenverwöhnten Rasen, inmitten eines Stadions, wo zuvor in dieser Saison bis zum 10. Spieltag noch nie eine andere Mannschaft gewinnen konnte. Die erste Pleite für den ABC in heimischer Festung – Tarforst sei Dank, erinnert man sich noch heute gerne an dieses Spiel zurück, dass man mit Kampf, Leidenschaft und einer starken Moral am Ende für sich entscheiden konnte. (am)

 

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