Freitag, 13 November 2020 08:27

„Ständiger Austausch und eine Zoom-Einheit pro Woche“

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Der Fußball-Lockdown hat die Trierer Höhenkicker voll im Griff. Leere Plätze, kein Training und erst recht kein Spielbetrieb. Seit gut zwei Wochen liegen nicht nur die Bälle – sondern auch die sportlichen Nerven blank. Alternativen stehen hoch im Kurs – teilweise im Internet zuhause, ist das Durchhalten und die Improvisation mehr denn je gefragt. Sich fit zu halten balanciert als oberste Maxime, ganz egal wie, nur ohne Kontakte, so schreibt es die derzeitige und fragwürdige Corona-Verordnung des Landes Rheinland/Pfalz vor.

 

Online statt Rasen

Trotz Wegfall des gewohnten Trainings, hat Chef-Trainer Holger Lemke seine “Schäfchen“ aber dennoch voll im Griff, wie der Ex-Profi in sein Alternativ-Programm durchblicken lässt: „Sicherlich ist die momentane Lage alles andere als zufriedenstellend. Doch wir müssen diese Situation annehmen, ob sie uns gefällt oder nicht. Wir versuchen im ständigen Austausch zu sein. Es läuft sehr viel über Telefonate und die sozialen Netzwerke. Zudem absolvieren wir einmal die Woche eine gemeinsame Zoom-Einheit (Online-Video-Konferenz), wo wir zusammen, wenn auch auf Distanz, trainieren können. Hinzu kommen ja dann auch noch die individuellen Laufpläne, die meine Jungs ebenfalls in ihrer Freizeit erfüllen, wo man sich jedoch erlaubterweise zu zweit treffen kann. Die Rückmeldungen diesbezüglich sind zurzeit noch positiv, auch wenn vereinzelt der Ruf nach normalem Fußball schon lauter wird. Trotzdem sind meine Jungs auch im Bezug auf diese Alternativen immer stets motiviert und voll bei der Sache. Auch die Hausaufgaben werden alle bestens erfüllt.“

 

Kontaktloses Training auf Zeit

Und trotzdem ist das momentane “Training“ ungewohnt. Man sieht sich nur auf dem Bildschirm – meist in kleinen Fenstern, halt typisch für eine klassische Video-Konferenz. Zoom macht es möglich – gerade jetzt in Corona-Zeiten, ein Renner bzw. Alternativsegen für fast jede Branche und Szene. „Zoom ist relativ gut für Trainingseinheiten, die man locker und einfach zuhause absolvieren kann. Man ist kontaktlos und trotzdem einem – wenn auch über dem Bildschirm, sehr nah. Wichtig dabei ist es mir aber, dass man sich sieht und gemeinsam Übungen absolvieren kann. Anschließend haben wir dann noch nette Gespräche, also fast wie nach einem normalen Training auf dem Platz“, fügt Lemke hinzu.

Was fehlt und da ist man sich wohl auch trotz Zoom einig, dass klimpern der kleinen Bierflaschen, dass ein geselliges Abrunden des Trainings bisher immer in vollster Zufriedenheit beendet hat. Corona macht dies nun unmöglich – zumindest vorerst, da die Hoffnung auf eine baldige Lockerung in allen Bereichen des FSV Trier-Tarforst schlummert. Auch Lemke hofft auf eine Fortsetzung des Spielbetriebs noch in diesem Jahr – kann aber auch diesbezüglich nichts versprechen und ausschließen, wie er weiter unterstreicht: „Wir hoffen alle das es dieses Jahr noch einmal weitergeht. Wir müssen aber alle die Zahlen des Novembers abwarten, um eventuell mit einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs ab Dezember zu rechnen. Aber auch ein direkter Gang in die Winterpause ist möglich. Es würden dann im nächsten Jahr sehr viele Englische Wochen folgen, wenn nicht sogar wieder ein Saisonabbruch, den wir alle aber keineswegs wollen.“

 

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Planungen gehen trotz Lockdown weiter

Während die Ungewissheit plagt, muss die Arbeit hinter den Kulissen aber nahtlos weitergehen. Die Planungen über den Winter hinaus sind im vollen Gange, wo man zudem auch die Augen nach potenziellen Neuzugängen offen hält, wie der Trainer zugibt: „Natürlich beschäftigen wir uns schon mit solchen Dingen und wir schauen uns auch nach Spielern um, die in der Winterpause Wechselabsichten zu unserem Team haben könnten. Wenn wir die Chance haben, einen Spieler zu verpflichten der uns auch noch weiterhilft, werden wir dies auch tun. Unsere Augen sind was dies angeht, immer offen.“

 

Gute Ausgangslage sehnt Wiederaufnahme des Spielbetriebs herbei

Offen auch der Ausgang der hiesigen und momentan unterbrochenen Saison. Aktuell schweifen die Trierer Höhenkicker mit starken siebzehn Punkten auf Platz vier. Die letzten Wochen ziemlich erfolg- und punktreich, mischen die Tarforster momentan nicht ganz unverdient unter den Topteams dieser Liga eifrig mit. Nach oben fehlt nicht viel – der Rückstand minimal überschaubar, kam der Fußball-Lockdown für den FSV einfach zur falschen Zeit. Zwei Spielzeiten in diesem Jahr – zum Teil nur gespielt, durchlief die Lemke-Elf schon Mitte März einen Stillstand, der letztendlich mit einem Saison-Abbruch in die Geschichte einging. Ein Fußball-Jahr – nichts Halbes und nichts Ganzes, will man nicht noch einmal solch einen Abbruch erleben, der nicht nur das Fußballherz der Großen, sondern viel mehr auch der kleinen Kicker, schmerzhaft zerreißen würde.

„So ein Jahr habe ich in meinem Leben noch nie erlebt – und ich habe als Fußballer schon so einiges vor die Augen bekommen. Dieses Jahr war wirklich nichts Halbes und nichts Ganzes. Nach der Saison-Annullierung haben wir eine spannende Rückrunde der Vorsaison verpasst, und aktuell verpassen wir eine spannende Aufholjagd unserer Mannschaft in der Hinrunde. Es ist schon sehr traurig, da wir alle auf einem sehr guten Weg waren und unseren erfolgreichen Lauf mit sehr viel Leidenschaft jede Woche aufs Neue untermauern konnten. Ich wünsche mir so sehr das es bald weitergeht – und meine Jungs für ihre gute Leistung samt Einsatz belohnt werden. Corona ist ein schwieriger Gegner, den wir aber noch schlagen werden, wenn es muss auch in der Nachspielzeit“, betont Holger Lemke abschließend und stellt womöglich schon die nächste Zoom-Einheit auf die Beine, vor dem Bildschirm, auf Distanz – und doch so nah.

 

André Mergener

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