Freitag, 07 Juni 2019 08:53

„Haben uns mehr Interesse und Respekt verdient“

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52633997 10156930605933903 7733396402394365952 oWas die Männer können – können die Frauen schon lange. So zumindest die Annahme. Im Fußball oft verhöhnt und verspottet – haben es die Damen in dieser Sportart ziemlich schwer. Wenig Aufmerksamkeit und fehlende Interesse. Dabei lebt ''Frau'' die Leidenschaft am runden Leder ähnlich aus – wie das stärkere Geschlecht. „Ich kann nicht verstehen wieso man den Damen – ganz unabhängig jetzt von unserem Team, keine Chance gewährt. Das Spiel ist augenscheinlich langsamer als das von den Männern – aber spielerisch von reichlich Raffinesse gezeichnet wie man zunächst vermutet. Ich glaube – viele von den Kritikern haben sich wohl noch kein Spiel einer Damen-Mannschaft angeschaut. Grundsätzlich kann ich es aber nur jedem empfehlen sich mal ein Spiel anzusehen. Ich denke – dann könnten einige ihre Vorurteile begraben. Immerhin pflegen die Damen die gleiche Leidenschaft wie die Männer – allein diese Tatsache hat mehr Respekt verdient,“ ist sich Damen-Coach Steffen Hilmer sicher.

Auch beim FSV Trier-Tarforst traute man sich vor vielen Jahren das Wagnis eine eigene Damen-Mannschaft zu gründen. Getreu dem Motto aller Anfang ist schwer – so durchlebte man auch in dieser Abteilung zunächst viele Rückschläge und Desinteresse abseits des Rasens. Die Stimmung dementsprechend getrübt – erhofften sich die Mädels mehr Unterstützung. Unterstützung beflügelt und verhilft zum Erfolg – den man in dieser Phase an allen Ecken suchte. „Sicherlich war die Geburt dieser Damen-Elf von zahlreichen Misserfolgen gezeichnet. Von außen gab es nur wenig Unterstützung – und das bekommen die Spielerinnen natürlich auch mit. Die damaligen Trainer machten jedoch aber allesamt einen guten Job und hauchten den Mädels das nötige Selbstvertrauen ein. Ein Grund wieso dieses Projekt noch heute lebt,“ setzte Hilmer fort.53218899 10156930607528903 4537420394587488256 o

Seit kurzem kicken die FSV-Damen nun in einer Spielgemeinschaft. Die Hoffnung auf bessere Zeiten immer stets aufrecht – fusionierte man mit der benachbarten SSG Kernscheid, wo man ähnlich gleiches Leid und Sorgen pflegte. An der Seitenlinie der neugegründeten FSG aus Kernscheid und Tarforst steht neben Steffen Hilmer auch Christian Becker Gewehr bei Fuß. Ein starkes Duo – dass die Leidenschaft am rechten Fleck trägt. Die Damen selbst hochmotiviert und erfolgreich zugleich – wurde sogar die Resonanz auf den Rängen aufs Neue geweckt: „Ich blicke sehr positiv zurück. Sportlich und sogar was die Unterstützung angeht – haben wir im Vergleich zu den Jahren zuvor, einen gewaltigen Sprung gemacht, was mich persönlich für die Mädels sehr freut. Meine Damen spielen alle einen sehr ehrlichen Fußball – was zudem auch beim Publikum deutlich besser ankommt. Zudem steigen die Zuschauerzahlen stetig. Auch ein Zeichen für mich – dass wir alle auf dem richtigen Weg sind,“ fügte der Coach mit stolzer Miene hinzu.

Aber auch sportlich darf man sich zudem auf die eigene Schulter klopfen. Eine schwere Saison passé – legte man vor allem im Endspurt eine deutliche Ansage aufs Parkett, auf die man unterm Strich mächtig stolz sein darf. Auch Hilmer lobt die Endabrechnung mit zufriedenem Blick – immerhin sprang am Ende Platz sieben mit starken neunundzwanzig Punkten heraus: „Es war keine leichte Saison – da wir quasi vor der Aufgabe standen, zwei Mannschaften zu einem Team zu formen. Ein großer Kader – ein unbekannter Konkurrenzkampf und für einige sogar eine neue Liga. Alles in allem war es eine Mammutaufgabe – die wir aber im Kollektiv sehr gut gemeistert haben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben sich alle gut an die neue Situation gewöhnt und vor allem angenommen. Wir sind zu einem großen ''Haufen'' geworden – der menschlich und sportlich mega zusammengewachsen ist. Von daher sind wir mit der Entwicklung sehr zufrieden – vor allem die positive Tendenz aus der Rückrunde wollen wir in Zukunft bestätigen,“ resümierte Hilmer.

Viele Baustellen gab es nicht. Hier und da gilt es an diversen Ecken zu feilen – auch wenn man hier auf hohem Niveau klagt: „Gut war der wahnsinnige Ehrgeiz jeder einzelnen Spielerin. Die hohe Trainingsbeteiligung und auch der daraus entstandene Wille – absolut jedes Spiel gewinnen zu wollen. Nachholbedarf gibt es in vielen Bereichen. Technisch – koordinativ und taktisch gibt es noch leichte Defizite. Hier klagen wir aber insgesamt auf einem sehr hohen Niveau.“

52926836 10156930605818903 3737345837919895552 nDer Wunsch das man noch enger zusammenwächst ist groß und keineswegs aus der Welt. Der Kader selbst bleibt im Großteil erhalten – auch wenn die ein oder anderen Fahnen auf Abschied wehen: „Der Großteil der Spielerinnen bleibt unserer Mannschaft treu. Einige Spielerinnen müssen jedoch aus beruflichen Gründen pausieren. Wir haben zudem noch ein paar mögliche Neuzugänge auf dem Zettel – mit denen wir in den kommenden Tagen noch Gespräche führen. Der Kader selbst wird nochmal vergrößert – sodass wir mit zwei Mannschaften in den Spielbetrieb gehen werden. Es haben einige ehemalige Spielerinnen großes Interesse bekundet – nochmal die Fußballschuhe auf Kreisebene zu schnüren. Diesem Wunsch wollen wir nachkommen – da wir so auch unseren Entwicklungsspielerinnen Spielpraxis geben können.“52942914 10156930607108903 942698059651874816 o

Ein richtiges Ziel steht nicht wirklich auf Hilmers Maxime. Guten Fußball spielen plus die Freude am Hobby – dürften die Haupttugenden jener sympathischen Elf sein. Natürlich strebt man immer Richtung Spitze – wie auch Steffen Hilmer mit einem Augenzwinkern zugeben musste: „Sicherlich wollen wir immer besser werden. Aber großen Druck ausüben ist der falsche Weg. Wir wollen das die Mädels Spaß am Fußball haben und nebenbei auch noch guten Fußball spielen. Die Endplatzierung ist mir quasi völlig egal. Aber wenn wir genau das abrufen – was wir wirklich drauf haben und den Siegeswillen im Kollektiv noch mehr stärken, traue ich uns so einiges zu. Wir haben aber in der vergangenen Saison auch gesehen – dass diese Liga aus unterschiedlichen Gründen kein Selbstläufer ist. Ich möchte grundsätzlich jedes Spiel gewinnen – aber auch nur von Spiel zu Spiel schauen. Alles andere liegt fern von meinem Charakter.“

Und dennoch bleibt der Zweifel bestehen – zumindest bei sturen Kritikern. Damen-Fußball ein ''NoGo'' – haben aber auch die Damen eine Chance verdient, sich in der beliebtesten Sportart der Menschheit zu beweisen. Ein Ziel – ein Hobby und eine Leidenschaft, müssen alte Gedanken schnell begraben werden. Geht es nach Hilmer – so hat der Damen-Fußball auch einige Vorteile zu bieten, die er im Männerballett oft vermisst: „Das Spiel der Frauen ist ehrlicher und viel fairer. Manchmal hat man sogar das Gefühl – geht es spielerisch sogar viel härter zu als bei den Jungs, aber alles in einem fairen Rahmen. Es ist generell sehr schwierig – Leute zu überzeugen, sich mal unsere Damen anzuschauen. Allerdings muss ich auch betonten – sind unsere Zuschauerzahlen zuletzt gestiegen, weil einige unsere Spiele gerne schauen und auch noch Freunde mitbringen. Nur so geht es. Überzeugt euch doch einfach mal von unserem sauberen und ehrlichen Fußball. Ich bin jetzt seit vier Jahren Trainer von Frauen – und es macht mir viel Spaß. Ich schaue auch gerne mal ein Spiel unserer Frauennationalmannschaft. Natürlich ist das Spiel weniger schnell als beispielsweise von der Herrenspitzenklasse. Aber technisch und taktisch teilweise viel sauberer. Die Frauen spielen nicht für großes Geld und für einen großen Namen – sondern für viel mehr. Sie spielen Fußball aus Leidenschaft. So wie die meisten von uns auch. Von daher fordere ich mehr Interesse und Respekt für den Frauenfußball. Es ist genauso wie im Herren- und Jugendbereich. Wir kicken aus Spaß am Fußball – für den Fußball und freuen uns über jeden neuen Fan!“ gab Steffen Hilmer abschließend zu verstehen. André Mergener

(Quelle Bilder: SSG Kernscheid)

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