Donnerstag, 08 Oktober 2020 10:00

„Der Fußball hat mir sehr viel mitgegeben“ – Heiko Weber im Interview

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D75 3715 Fotor

Seine Erfahrung ist riesig und seine Führung auf dem Platz routiniert. Heiko Weber durchlebte schon so manchen Verein, auch höherklassig. Einst in der U19 von Eintracht Trier die gute Entwicklung genossen, zog es ihn anschließend zum saarländischen und Ex-Oberligisten SV Rot-Weiß Hasborn. Eine weitere Station war die zweite Mannschaft der Arminia aus Bielefeld, wo Weber neben der Oberliga-Südwest, auch in der Oberliga Westfalen reichlich Eindrücke und Spielminuten abstauben konnte. Seine längste Station und die ist bei ihm auch unvergessen, ist der FV Morbach, dessen Team er auch viele Jahre lang als Kapitän auf den Rasen geführt hat. Heuer spielt der 33-Jährige Routinier und Familienvater für den FSV Trier-Tarforst. Sein Einsatz samt Erfahrung ein wichtiger Baustein für die Trierer Höhenkicker, spricht Weber im Interview über sein bisher Erlebtes im Fußball und seine Ziele samt Aussichten im Dress des FSV:

 

Eintracht, Bielefeld, Hasborn und Morbach

Hallo Heiko! Bei vielen auch höherklassigen Vereinen konntest du dich bisher als routinierter Führungsspieler verkaufen und zudem auch reichlich Erfahrung sammeln. Jetzt führte dich dein Weg nach Tarforst. Wieso gerade der FSV und welchen ersten Eindruck konntest du von Verein um Umfeld hinzugewinnen?

Heiko Weber: Ich verspüre nach wie vor große Freude am Fußballspielen und möchte so lange wie möglich aktiv und so hoch wie möglich spielen. Nach meiner Profizeit u.a. bei Arminia Bielefeld, konnte ich anschließend bei Rot-Weiß Hasborn in ca. 150 Oberligaspielen reichlich Erfahrung sammeln, ehe es danach lange Jahre nach Morbach ging, in denen ich fast 290 Rheinlandligaspiele absolviert habe. Trotz eines Angebotes eines Oberligateams habe ich mich im Sommer aber für den FSV entschieden, da die Rheinlandliga für mich nach wie vor einen großen sportlichen Reiz hat. Ich bin der Meinung, dass ich beim FSV meine Erfahrung als Spieler sowie die zusätzlichen Kenntnisse aus meinem Beruf des Bankkaufmannes einbringen kann, um die sowieso schon gute Struktur des Vereins mitzugestalten. Mein Arbeitsplatz liegt zudem auch in Trier, sodass ich durch die Trainingseinheiten beim FSV auch erhebliche Fahrstrecken einsparen kann, wodurch ich auch freie Zeit für meine Frau und Tochter bekomme. Sie unterstützen mich bei meinem zeitintensiven Hobby sehr und daher ist diese neu gewonnene freie Zeit für die Familie sehr schön. Natürlich spielte auch unser Trainer Holger Lemke eine große Rolle, den ich sozusagen seit dem Bolzplatz kenne und mit dem ich lange Jahre erfolgreich bei der Eintracht-Jugend und im Seniorenbereich zusammenspielte. Hieraus ist auch eine Freundschaft sowohl von uns als auch unserer Familien entstanden.

 

 

Schöne Erinnerung an Morbach

Eine lange Zeit trugst du das Trikot des FV Morbach und führtest die Mannschaft als Kapitän auf den Platz. Wie blickst du auf diese Zeit zurück – was nimmst du aus Morbach mit?

Heiko Weber: Ich nehme sehr schöne Erinnerungen aus der Zeit in Morbach mit. Neben sportlichen Highlights wie z.B. der Oberliga-Relegation oder Rheinlandpokal-Halbfinale nehme ich auch schöne Erinnerungen an diverse Mitspieler, Trainer und Fans mit. Wenn man neun Jahre für einen Verein spielt, muss schon vieles passen.

 

Weber trifft auf alten Club

Am kommenden Sonntag steht das Duell gegen Morbach auf dem Programm. Mit welchen Gefühlen wirst du in dieses Spiel gehen?

Heiko Weber: Es wird sicherlich etwas kurios sein dorthin zurückzukehren und in die Gästekabine zu gehen. Dennoch bin ich seit dem Sommer Spieler vom FSV, sodass für neunzig Minuten alle Sympathien für den Gegner ausgeschaltet werden und wir mit dem FSV dort alles reinwerfen müssen, da wir gegen einen guten Gegner spielen werden. Nach dem Spiel und hoffentlich einem Sieg des FSV, kann dann gerne an der Theke unter Einhaltung der Abstandsregel gequatscht werden (lacht).

 

Eine Art Vaterfigur auf und neben dem Platz

Was für ein Charakter ist Heiko Weber – bzw. was zeichnet dich aus?

Heiko Weber: Ich gehe auf und neben den Platz stets voran und möchte als Vorbild für meine Mitspieler fungieren. In meiner Laufbahn bzw. Leben durfte ich erfahren, welchen Einfluss der Fußball auch für das gesamte Leben hat, weshalb es mir sehr am Herzen liegt, gerade den jungen Spieler aber auch allen anderen, Werte, die der Fußball vermitteln kann, auch fürs Leben mitzugeben. Der Fußball hat mir sehr viel mitgegeben, was mich zusätzlich in meinem Leben nach vorne gebracht bzw. positiv beeinflusst hat. So konnte ich über das Miteinander des Fußballs deutlich besser mit der Behinderung meiner Tochter (frühkindlicher Autismus) umgehen. Darüber hinaus habe ich Werte wie Durchsetzungsvermögen, Durchhaltevermögen, Selbstbewusstsein oder auch Disziplin mitgenommen, wodurch ich auch im beruflichen Werdegang profitieren konnte. Der Fußball kann gerade jungen Leuten diese Werte vermitteln, damit auch sie hiervon profitieren können. Dies liegt mir sehr am Herzen und so konnte ich in jüngerer Vergangenheit wie eine Art Vaterfigur für manches Talent auftreten.

 

Weber zieht Fazit einer noch jungen Saison

Die ersten Spiele der Rheinlandliga sind bestritten – dein Fazit lautet?

Heiko Weber: Die ersten Spiele zeigen wieder, dass die Mannschaften tendenziell noch ausgeglichener sind und es dadurch noch wichtiger wird in jedem Spiel 100% zu bringen. Die vermeintlichen Favoriten haben bisher noch nicht die erwarteten Ergebnisse gebracht, sodass die Tabelle vermutlich nochmals enger ausfallen wird. Bei uns sind insgesamt von allen Spielern positive Entwicklungen erkennbar, was an oberster Stelle stehen soll, weil bei einer positiven Entwicklung wird sich der Erfolg automatisch einstellen. Unsere bisherigen Ergebnisse sind in Ordnung und wir können mit einem guten Gefühl in die nächsten Wochen gehen.

 

Ein Vorbild auf und neben dem Platz

Der FSV Trier-Tarforst verfügt heuer über eine sehr junge Mannschaft. Wie gibst du dein Wissen und deine Erfahrung an die jungen Spieler weiter – bzw. wie genau sieht deine Unterstützung aus?

Heiko Weber: Wie bereits erwähnt gehe ich auf und neben dem Platz als Vorbild voran und ziehe so meine Mitspieler mit. Ich versuche in jedem Training, in jedem Spiel 100% zu geben. Darüber hinaus versuche ich meine Erfahrung auf dem Platz über Kommandos und neben dem Platz durch Erklärungen weiterzugeben. Da im Fußball sich vieles im Kopf abspielt, möchte ich neben den rein sportlichen Themen auch für den Mensch dahinter als Ansprechpartner fungieren, weil mir gerade das Miteinander sehr wichtig ist. Durch ein gutes Miteinander möchte ich erreichen, dass die Mannschaft mehr ist, als die Summe der Einzelspieler. Als prominentes Beispiel darf hier Bayern München genannt werden, die für mich durch das Miteinander den aktuellen Erfolg als Triple Sieger erreicht haben.

 

Weber will mit dem FSV schnell den Klassenerhalt eintüten

Was ist dieses Jahr mit dieser Truppe möglich – wo siehst du den FSV am Ende der Saison, wenn man von großen Verletzungen verschont bleibt?

Heiko Weber: Von der Struktur des FSV steht die Weiterentwicklung von Talenten an oberster Stelle, um sich hierüber das aufgebaute Standing in der Region zu wahren und als Anlaufstelle Nr. 1 für Talente aus der Region wahrgenommen zu werden. Ich wünsche mir, dass die bisherige positive Entwicklung so weiter verläuft und wir frühzeitig genügend Punkte sammeln können, damit wir den Klassenerhalt eintüten können, um in ruhigem Fahrwasser uns insgesamt verbessern können. Auch die Frühphase der Saison zeigt bereits, wie wichtig jeder einzelne Spieler im Kader ist, um insgesamt als Team eine erfolgreiche Saison zu spielen.

 

Okay Heiko, ich danke dir für das Interview und wünsche dir weiterhin privat und fußballerisch alles Gute.

Heiko Weber: Danke!

 

Das Interview wurde geführt von André Mergener

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